| 19. Januar 2006
Pressemitteilung des Bündnis 13. Februar
2006
Demonstrationen
"Gegen jeden Geschichtsrevisionismus" am 11. Februar
und 13. Februar 2006
Am 11. und 13. Februar wird in Dresden
jeweils eine antifaschistische Demonstration unter dem Motto "Gegen
jeden Geschichtsrevisionismus" stattfinden.
Anlässlich der Gedenkaktivitäten zum Jahrestag der
Bombardierung Dresdens am 13. Februar und des in seiner Dimension
bundesweit einmaligen Nazigroßaufmarschs am 11. Februar
veranstaltet das "Bündnis 13. Februar 2006" zwei
Demonstrationen, um Kritik an diesem Umgang mit der deutschen
Geschichte zu äußern.
In den letzten Jahren stieg die TeilnehmerInnenzahl an den regelmäßig
von der “Jungen Landsmannschaft Ostpreußen”
als "Trauermärsche" durchgeführten Demonstrationen
kontinuierlich an. Am 13. Februar 2005 marschierten ca. 6000 Neonazis
durch Dresden. Auch in diesem Jahr werden mehrere Tausend Neonazis
und VertreterInnen des gesamten rechtsextremen Spektrums eine
Verharmlosung deutscher Kriegsverbrechen propagieren.
Im Gegensatz zu anderen Anlässen, wie dem Hess-Marsch in
Wunsiedel oder dem Aufmarsch am 8.Mai 2005 in Berlin, wird der
Dresdner Naziaufmarsch von zivilgesellschaftlicher und städtischer
Seite bis heute überwiegend ignoriert.
Anstelle klar Position gegen den Naziaufmarsch einzunehmen, gelte
es "ein positives Bild von Dresden" zu produzieren.
Mit den symbolischen und oft uneindeutigen Aktionen soll und kann
der Aufmarsch nicht verhindert werden.
Ellen Mertens vom "Bündnis 13. Februar 2006" sagt
dazu: "Es handelt sich bei dem geplanten Nazigroßaufmarsch
am 11. Februar aus zweierlei Gründen nicht um irgendeinen
Aufmarsch, wie sie mittlerweile in Deutschland zur Regel gehören.
Zum einen zählt er zu den größten Demonstrationen
dieser Art und hat dabei eine Strahl- und Anziehungskraft weit
über das neonazistische Spektrum hinaus bis in das rechte
und konservative bürgerliche Milieu hinein, zudem mit internationaler
Beteiligung. Zum anderen ist es nicht akzeptabel, die Leugnung
und Verharmlosung deutscher Verbrechen während des Vernichtungsfeldzuges
zu ignorieren."
Das offizielle städtische Gedenken entkontextualisiert die
Bombardierung Dresdens, wenn der deutschen Opfer der Luftangriffe
in einer Reihe mit denen der deutschen Konzentrationslager und
von der deutschen Wehrmacht bombardierten Städten gedacht
wird. Damit wird die deutsche Schuld an den Verbrechen des Nationasozialismus
eingeebnet. Ein besonders perfides Beispiel für diese Universalisierung
von Leid zeigt sich am Dresdner Heidefriedhof. Die Unterschiede
zwischen dem eliminatorischen Antisemitismus des Nationalsozialismus,
verdeutlicht etwa durch die Stele mit der Aufschrift „Auschwitz“,
und einem Kriegsakt wie die Bombardierung Dresdens werden dort
vollkommen negiert. Deshalb wird an diesem Ort unsere zweite Demonstration
stattfinden.
Dazu Sprecherin Ellen Mertens: "Das Bündnis 13. Februar
2006 wendet sich entschieden gegen eine Gleichsetzung von deutschen
TäterInnen und den Opfern des Nationalsozialismus, gegen
deutsche Opfermythen und Geschichtsrevisionismus. Deshalb wollen
wir den Naziaufmarsch verhindern und gegen das kollektive "Trauern"
der Dresdner BürgerInnen intervenieren."
Demonstrationstermine:
- 11. Februar 2006 | 10 Uhr | Altmarktgalerie, Dr. Külz Ring,
Ecke Seestrasse | Demo gegen das Dresdner Gedenkspektakel und
den Nazigrossaufmarsch
- 13. Februar 2006 / 9.30 Uhr / Endhaltestelle Linie 3, "Wilder
Mann" / Demo und Kundgebung gegen das offizielle Gedenken
zum 13. Februar auf dem Heidefriedhof
|