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Freie Republik
Schwarzenberg - Antifa-Ausschüsse
Während der Luftangriffe am 13.02.1945 wurde auch das Gestapogefängnis
getroffen, und einem jüdischen Kommunisten namens 'Max Wolfram'
(Name von Stefan Heym im Roman Schwarzenberg geändert) so
zur Freiheit verholfen. Dieser spielte später eine wichtige
Rolle bei der Errichtung eines antifaschistischen Aktionsausschusses,
der im nach Kriegsende zunächst unbesetzt gebliebenen Kreis
Schwarzenberg, die freie Republik Schwarzenberg ausrief. Dies
soll als Anlass dazu dienen, ein vielfach in Vergessenheit geratenes
Kapitel der ostdeutschen Nachkriegsgeschichte kurz zu beleuchten
und zu zeigen, dass in Sachsen nicht schon immer so gruselig war.
Nach dem Zusammenbruch der öffentlichen Ordnung Nazideutschlands
zum Ende des Krieges begannen vieler Orts aus Kommunisten, Sozialdemokraten
und anderen linken Antifaschist_innen gebildete Antifaausschüsse
die Macht zu übernehmen um das öffentliche Leben zu
organisieren. Zudem starteten sie auf eigene Faust mit der Entnazifizierung
in den Behörden, Institutionen und Betrieben. Diese Antifaausschüsse
entstanden aus eigener Initiative und waren damit auch oft nicht
auf der Linie der unter dem starken Einfluss Moskaus stehenden
SED. Die Ausschüsse wurden oft als von Sektierern durchsetzt
diffamiert, was unter anderem an einem konsequenten Entnazifizierungsanspruch
lag.
Folgerichtig wurden diese Ausschüsse relativ bald von der
SED-Regierung aufgelöst, Positionen die nicht auf Linie waren
ruhig gestellt und der Rest in den Ämtern bestätigt
und integriert. Die letzten Antifa-Ausschüsse wurden 1948
offiziell aufgelöst. Damit wurde vermutlich eine der größten
Chancen, eine umfassende Entnazifizierung der Gesellschaft in
Ostdeutschland zu erreichen, vergeben.
Eines der interessantesten Projekte war die freie Republik Schwarzenberg.
Nach dem Ende des Krieges wurden der Kreis Schwarzenberg und die
damals kreisfreie Stadt Aue weder von den Amerikanern noch von
den Sowjets besetzt. Eine Gruppe von Kommunisten und Sozialdemokraten
– unter ihnen 'Max Wolfram' – begann mit der Organisierung
der Verwaltung und der Bestrafung und Beseitigung der Nazis aus
ihren Ämtern und Positionen.
Ziemlich bald wurde der Kreis Schwarzenberg als freie sozialistische
Republik ausgerufen. 'Max Wolfram' schrieb dazu die Verfassung
die aufgrund der eigenen Erfahrung an libertären Grundsätzen
orientiert war. Es wurde eine eigene Währung eingeführt,
und Verhandlungen mit den Amerikanern und den Sowjets aufgenommen.
Am Ende aber wurde der Kreis Schwarzenberg gemäß den
Verhandlungen von Jalta von den sowjetischen Streitkräften
besetzt, was auch das Ende der freien Republik Schwarzenberg bedeutete.
Zu DDR-Zeiten wurde alles getan um dieses Ereignis vergessen zu
machen, lediglich der jüdische Schriftsteller Stefan Heym
schrieb ein Buch über die Geschehnisse in den Wochen nach
dem Krieg, was in kleiner Auflage in einem westdeutschen Verlag
erschien. Das Projekt von Schwarzenberg dauerte nur einige Wochen,
zeigt aber dass auch die Nazis nicht jeglichen Widerstand und
den Glauben an eine bessere Welt vernichten konnten, und es manchmal
nicht viel bedarf um aus einer Utopie Wirklichkeit werden zu lassen.
Quellen:
Schwarzenberg – Stefan Heym – C. Bertelsmann Verlag
GmbH – München 1984
ANTIFA-AUSSCHÜSSE UND IHRE ZERSCHLAGUNG IN DER SBZ/DDR
www.telegraph.ostbuero.de/3_4-98/wolf.htm
»Freie Republik Schwarzenberg«
www.marxistische-bibliothek.de/schwarzenberg.html
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