| Deutsche
Täter_innen sind keine Opfer - Gegen jeden Geschichtsrevisionismus
destroy
the spirit of Dresden
Aufruf des 13. Februar
Bündnis 2006
»Ich hatte keine Lust, in eisiger Kälte an der Rampe
zu stehen und mir von den Rednern, unter anderen den deutschen,
anzuhören, wie gut sie doch alle mit der Vergangenheit umgehen.
Ich finde das zum Kotzen. «
(Kurt Goldstein, Ehrenvorsitzender des Internationalen Auschwitzkomitees,
auf die Frage, warum er dem 60. Gedenktag in Auschwitz fernblieb.)
Sechzig Jahre und eins mehr
Der staatliche Gedenkmarathon ist vorbei. Die sechzigsten Jahrestage
im Zusammenhang mit der Niederschlagung des Nationalsozialismus
wurden erfolgreich über die Bühne gebracht - erfolgreich
zuallererst für Deutschland.
Schon mit der Einladung zu den Gedenkfeierlichkeiten 2004 zum
D-Day in die Normandie konnte sich Deutschland endlich in Augenhöhe
mit den alliierten Siegermächten wähnen. Der damalige
Kanzler Gerhard Schröder versicherte im Beisein der Delegationen
aus Großbritannien, Russland, USA und Frankreich, dass die
Deutschen ihre Lektionen gelernt und alles aufgearbeitet hätten
und nunmehr geläutert die aus der aufgearbeiteten Geschichte
erwachsende Verantwortung wahrnehmen.
Auch zu den Gedenkfeiern zur Befreiung des Vernichtungslagers
Auschwitz wurden die deutschen Abgesandten nicht müde, die
eigene historische Aufarbeitung zu loben, während die Überlebenden
des deutschen Vernichtungsantisemitismus zu Statist_innen im Spiel
der Geschichtsbewältigung degradiert wurden.
Am 8. Mai 2005 wurde dann mit einem „Fest der Demokratie“
und der parteiübergreifenden Wiederbelebung des Aufstands
der Anständigen erfolgreich die Abgrenzung des „guten“
Deutschlands vom „bösen“, das durch die Nazis
repräsentiert wird, vollzogen. Während zu diesen Ereignissen
die Kultivierung eines deutschen Opfermythos noch verhältnismäßig
dezent ausfällt, bricht sich das Bedürfnis, den eigenen
Toten eine ebenbürtige Existenzberechtigung zu schaffen,
explizit in den Veranstaltungen um den 13. Februar zur Bombardierung
Dresdens Bahn. Der Ausgangspunkt für den Großteil der
bürgerlichen Trauerveranstaltung sowie für den Naziaufmarsch
ist die Wahrnehmung, die Bombardierung durch die Alliierten sei
Unrecht gewesen. Darauf aufbauend entwickelte sich eine revisionistische
Gedenkkultur, die explizit deutsche TäterInnen als vermeintliche
Opfer in das Zentrum des Erinnerns rückte.
Frauenkirche und Patriotismusbeauftragter
- die Vorreiterrolle der sächsischen CDU
Im Zuge der Weihe der Frauenkirche im Oktober 2005, zu der sich
abertausende Menschen inklusive der gesamten Staatsprominenz zu
einem Festakt einfanden, ließen sich neben den üblichen
Versöhnungsphrasen auch nationalistische Töne vernehmen.
Eingebettet in eine „Wiederauferstehungsrhetorik“
wird die „einmalige“ Wiederaufbauleistung Dresdens
und insbesondere der Frauenkirche zu einem „patriotischem
Akt“. Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt sieht
darin ein Symbol für „gemeinsame Tradition, gemeinsame
Geschichte, gemeinsames Leid und gemeinsamen Wiederaufstieg“
und die sächsische CDU bestätigte in einem Leitantrag
zum Landesparteitag 2005: „Niemand will im vereinigten Europa
die historische und kulturelle Schicksalsgemeinschaft der Nation
aufgeben.“
Eingeleitet wurde die schärfere nationale Profilierung der
sächsischen CDU von einer Patriotismusdebatte, die nach dem
Einzug der NPD in Landes- und Kommunalparlamente 2004 deren WählerInnen
zu den demokratischen Parteien zurückholen soll. Die CDU
argumentiert dabei mit einem Heimatbegriff, mit dem nun endlich
auf den schmerzlich empfundene Verlust „kultureller Gemeinsamkeiten“,
wie Sprache und Traditionen, reagiert werden soll, indem scheinbar
bedrohliche „kulturelle Minderheiten“ ausgegrenzt
werden. Ziel ist eine „deutsche Identität“ fußend
auf einem Sammelsurium aus deutschen Tugenden, gemeinsam durchlittenen
Schicksalsschlägen und kulturellen Glanzleistungen. Mit diesen
zahlreichen identitätsstiftenden Angeboten will die CDU dann
auch die Abkehr vom ständigen „antideutschtümelnden“
Rekurs auf Auschwitz erreichen, schließlich sei Deutschland
weit mehr als das. Dieser Schlussstrich unter eine Geschichtsaufarbeitung
lässt den Nationalsozialismus gleich einer befremdlichen
Erscheinung aus der deutschen (Kultur-) Geschichte aus.
Dass Nazis ebenso von einer „naturgegebenen“ Sehnsucht
der Deutschen nach Zuneigung in der heimeligen „Volks- oder
eben Schicksalsgemeinschaft“ reden, wird als Missbrauch
stilisiert. Gegen diesen - und hier verhält es sich ähnlich
wie mit dem Gedenken zum 13. Februar - kämpft nun die CDU,
wie so oft ohne sich inhaltlich abgrenzen zu können. Nicht
etwa rassistische und antisemitische Hetze oder tagtägliche
Übergriffe von Nazis auf Menschen, die nicht deren beschränktes
Weltbild teilen, lassen bei der CDU die Alarmglocken läuten,
sondern die Tatsache, dass die patriotische Selbstdarstellung
durch Nazis beschmutzt werden könnte.
13. Februar - einer der größten
Naziaufmärsche
Neben den abertausenden Dresdner_innen, die zur Erinnerung an
deutsche „Opfer“ Kerzen in der Nähe der Frauenkirche
entzündeten, demonstrierten am 13. Februar 2005 etwa 6.500
Nazis durch die Dresdner Innenstadt. Weder dieser Aufmarsch noch
die bürgerlichen Trauerrituale konnten ihrem Ausmaß
angemessen verhindert, ja nicht einmal nennenswert behindert werden.
Im Unterschied dazu der 8.Mai 2005 in Berlin. Dort war der geplante
Naziaufmarsch verhindert worden. Schließlich hätte
dieser dem weltweiten Ansehen der „Berliner Republik“
an so einem prestigeträchtigen Tag geschadet. Die angekündigte
Grossdemonstration der NPD passte so gar nicht in das Konzept
der geläuterten Nation, die mit der aus Auschwitz gezogenen
„moralischen Reputation“ internationale Politik entscheidend
gestalten will. So wurde die Verhinderung der Nazidemonstration
zum „Staatsauftrag“.
Jedoch ist das Interesse des Staates an der Verhinderung von Naziaufmärschen
kein kontinuierliches, sondern es richtet sich an der aktuellen
politischen Situation aus.
Der seit mehreren Jahren in Dresden durch die Junge Landsmannschaft
Ostpreußen (JLO) angemeldete Naziaufmarsch hat sich mittlerweile
zu einem der größten der deutschen Nachkriegsgeschichte
entwickelt. Im Jahr 2005 instrumentalisierte die NPD den Aufmarsch
um eine Einheit der rechten Szene zu inszenieren, Holger Apfel
(Fraktionsvorsitzender der NPD im sächsischen Landtag) übernahm
eigens dafür die Schirmherrschaft. Dennoch sind die Grenzen
des Projektes „rechte Volksfront“ - der Versuch ein
Miteinander innerhalb der „nationalen Opposition“
zu etablieren, unabhängig von Organisations- oder Aktionsform
sowie ideologischen Unterschieden - selten so deutlich geworden,
wie an diesem Tag. Vor allem die „Freien Kräfte“
fühlten sich durch den parlamentarischen Flügel, NPD
und DVU, vereinnahmt. Die demonstrative Verweigerung der NPD den
Opfern des Nationalsozialismus in einer Feierstunde des sächsischen
Landtags zu gedenken und stattdessen nur deutschen „Opfern“
zu erinnern, brachte ihr in der rechten Szene viel Anerkennung
ein. Jedoch konnten die internen Streitigkeiten, bei denen die
Konfliktlinie zwischen revolutionärer Aktion einerseits und
parlamentarischen Weg andererseits verläuft, auf dieser und
den folgenden Demonstrationen nicht ausgeblendet werden.
Davon weitgehend unbeeinflusst, ist das Mobilisierungspotential
der Nazis immens. Auch wenn der Gedanke der „rechten Volksfront“
nicht flügelübergreifend anschlussfähig ist, so
bleibt es die inhaltliche Ausrichtung des „Trauermarschs“,
welche auf einem revisionistischen Geschichtsbild fußt.
Fundament ist dabei der affirmative Bezug auf die deutsche Vernichtungsgemeinschaft,
welche den 2. Weltkrieg als eine reine „Abwehrschlacht“
des „deutschen Volkes“ gegen einen „eliminatorischen
Antigermanismus“ führte. So behauptet es der NPD-Landtagsabgeordnete
Jürgen W. Gansel in seiner Rede im letzten Jahr vor dem sächsischen
Parlament, in der er den Begriff des „Bombenholocaust“
popularisierte. Ausgehend von einem „strukturellen Antigermanismus“
wird über die Verwendung gleicher Begrifflichkeiten die Bombardierung
Dresdens mit der Shoah gleichgesetzt und somit nationalsozialistisches
Handeln gerechtfertigt. Als Beweis für „die Bedrohung
des deutschen Volkes“ muss ein Zitat aus der englischen
Wochenzeitschrift „The Saturday Review“ vom 11.09.1897
herhalten, worin zu lesen war: „Germania est delenda“
(Deutschland ist zu zerstören). Genau in dieser Tradition
hätten laut Gansel Churchill und die Bomben auf Dresden gestanden.
Dresden - kollektive Erinnerung gegen
jede Vernunft
Der 13. Februar erfuhr im Zuge des 60. Jahrestages eine hohe
nationale wie internationale Aufmerksamkeit. Die Gedenkrituale
zur Bombardierung Dresdens vom 13. auf den 14. Februar 1945 durch
alliierte Streitkräfte wurden endgültig zu einer bundesweit
Beachtung findenden Bezugsgröße im erinnerungspolitischen
Diskurs. Besonders dann, wenn die Deutschen über die „eigenen
Opfer“, die „unmenschlichen Verbrechen der Alliierten“
oder „den Bombenterror“ reden wollen, kommen sie auf
Dresden zu sprechen. Fern jeder Realität eines Dresdens,
das zahlreiche kriegswirtschaftlich und militärisch relevante
Anlagen besaß, wird eine „wehrlose“ Stadt herbeihalluziniert,
die vollgestopft mit barocken Kunst- und Kulturschätzen unbeeinflusst
vom Nationalsozialismus vor sich hindämmerte. Dass dabei
die DresdnerInnen weder weniger nationalsozialistisch waren, als
der Rest der deutschen Bevölkerung, noch die Befreiung herbeisehnten,
wird verdrängt. Vielmehr wurde auch in der Elbestadt an der
Heimatfront bis zum Letzten gekämpft wurde und die noch verbliebenen
Jüd_innen in die Vernichtungslager zu deportieren versucht.
Die Vergesslichkeit schwindet jedoch rasch, geht es um menschenjagende
Tiefflieger oder ähnliche Schauergeschichten. Diese Legenden
haben, trotz eindeutiger wissenschaftlicher Widerlegung, bereitwillig
Aufnahme ins kollektive Gedächtnis gefunden.
Durch die Entkontextualisierung der Bombardements als ein gesondert
zu betrachtendes Kriegsereignis, eröffnet sich die Möglichkeit
zur Verdrehung geschichtlicher Dimensionen. Über die Konstruktion
eines universalen „Leid“-Begriffs, also über
einer Kategorie jenseits komplexer historischer Zusammenhänge,
wird die Gleichsetzung oder gar die Umkehrung des Täter-Opfer-Verhältnisses
vollzogen. In dem alle zu Leidtragenden des Krieges werden, sollen
die jeweiligen subjektiven Perspektiven, also auch die deutschen
Leidensgeschichten, eine gleichberechtigte Darstellung erfahren.
Der 13. Februar rückt explizit die zu Opfern umgedeuteten
TäterInnen ins Zentrum des Interesses, die wirklichen NS-Opfer
werden hier nahezu vollständig verdrängt und finden
-wenn überhaupt- oft nur im Nebensatz Erwähnung. Es
existieren, angefangen bei knallharten revisionistischen Ansichten,
über dreiste Versöhnungsforderungen bis hin zum oberflächlichen
Eingestehen deutscher Schuld, um im selben Atemzug ein Schuldeingeständnis
der Alliierten einzufordern, verschiedenste Abstufungen der Täter-Opfer
Verdrehung.
Beachtenswertes Beispiel ist der, in den bürgerlichen Medien
hoch gelobte „Historiker“ Jörg Friedrich. Er
hatte in seinem Bestseller „Der Brand“ längst
die Gleichsetzung der TäterInnen mit den tatsächlichen
Opfern vollzogen. So bezeichnete er die alliierten Bomberverbände
als „Einsatzgruppen“, brennende Luftschutzkeller als
„Krematorien“ und sah die deutsche Zivilbevölkerung
„ausgerottet“.
Sehr deutlich auch das offiziellen Plakat der Stadt Dresden zum
60. Jahrestag, auf dem das Ereignis in den Kontext von New York,
Warschau und Leningrad gestellt wird und damit auf perfide Art,
vergessen macht, dass die Bombardierung Dresdens die Reaktion
auf die deutschen Verbrechen war.
Noch relativ neu sind die Versuche von offizieller Seite das
Gedenken
mittels wissenschaftlicher Aufarbeitung, beispielsweise einer
Kommission zur Bestimmung der wirklichen Opferzahl in der Bombennacht,
zu versachlichen und von den abstrusen Legenden zu befreien. Nicht
zuletzt aufgrund der ausufernden Aktivitäten und Erfolge
der Nazis fühlt sich die Stadtverwaltung bemüßigt,
der Legendenbildung Grenzen zu setzen. Außerdem gelingt
es so, sich auch in Zukunft den Anspruch auf das „richtige“
Gedenken zu sichern, sowie potentieller Kritik am Gedenken zuvorzukommen.
Das grundsätzliche Falsche jedoch besteht weiterhin, die
Umwertung historischer Realität zugunsten der Deutschen -
der Mythos Dresden bleibt erhalten.
Es gibt kein richtiges Gedenken im
Falschen
Unsere Kritik gilt jeglichem Gedenken im Zusammenhang mit dem
13. Februar. Ob das nun in Form von bürgerlichen Trauerveranstaltungen
geschieht oder als Naziaufmarsch mit mehreren tausend TeilnehmerInnen
ist uns herzlich egal. Wir wollen beides abschaffen. Die Demonstration
am 11. Februar wird konsequent jegliche Opfermythen und Geschichtsrevisionismus
angreifen und den Naziaufmarsch verhindern. Und am Montag dem
13. Februar rufen wir zu einer Demonstration und Kundgebung gegen
die offizielle Gedenkfeier am Heidefriedhof auf.
Gegen jeden Geschichtsrevisionismus!
Deutsche Täter_innen sind keine Opfer!
11. Februar 2006 - 10 Uhr - Altmarktgalerie, Dr. Külz Ring
Ecke Seestraße - Demo gegen das Dresdener Gedenken und den
Nazigroßaufmarsch
13. Februar 2006 - 9.30 Uhr - Endhaltestelle Linie 3 "Wilder
Mann" - Demo und Kundgebung gegen das offizielle Gedenken
auf dem Heidefriedhof
up
Geschichtsrevisionismus
Bundesdeutsche Geschichtspolitik umfasst mehrere revisionistische
Spielarten des Umgangs mit dem Nationalsozialismus. Allen gleich
ist das Ziel deutsche Schuld zu relativieren und die Wiedererlangung
des uneingeschränkten politischen Handlungsspielraums Deutschlands.
Die Wege dahin sind jedoch unterschiedlich.
Unter der rot-grünen Regierung wurde das Schuldanerkenntnis
für die nationalsozialistischen Verbrechen forciert. Über
den Weg des Eingeständnisses gelang es, sich als geläuterte
und nunmehr moralisch notwendig richtig handelnde Nation darzustellen.
Maßgeblich unterstützt wird das durch eine europäisierende
Sicht auf die Shoah, die nicht das Verbrechen aus deutscher Hand
ist, sondern ein europäisches Vermächtnis, an dem unter
vielen Anderen auch Deutschland beteiligt gewesen ist.
Auf die eigene aufgearbeitete Geschichte hinweisend, wird der
Zeigefinger gegen andere Staaten erhoben und dort ebenfalls die
Auseinandersetzung mit eigenen Verbrechen eingefordert. Geschieht
dies wie im Fall Jugoslawien nicht, so erwächst aus der Aufarbeitung
gleich eine spezielle Verantwortung Deutschlands, die allerorten
„Konzentrationslager“ notfalls eben auch mit Bomben
verhindern muss.
Eine andere Herangehensweise zeigt sich in der Konzentration auf
einen entkontextualisierenden „Leid“- und „Opferbegriff“.
In dem das individuelle Leid zur bestimmenden Perspektive wird,
werden unterschiedslos alle von Leid Betroffenen zu Opfern. Durch
den Verzicht auf eine historische Sichtweise auf die Zeit des
Nationalsozialismus ist es möglich das deutsche TäterInnen
zu Opfern werden. Folgerichtig ist dann nur, dass wenn allen Opfern
gedacht werden soll, insbesondere die deutschen gemeint sind und
dem Umstand angemessen im Zentrum eines Gedenkens stehen.
Durchaus kompatibel mit diesen Ausformungen des Geschichtsrevisionismus
ist die Form der Schuldabwehr, wie sie beispielsweise im Patriotismusleitantrag
der sächsischen CDU zu finden ist. Da allerorten zu genüge
den Opfern des Nationalsozialismus gedacht wurde, wäre es
an der Zeit sich einerseits von den „zwölf dunklen
Jahren“ zu lösen und dieses Kapitel deutscher Geschichte
abzuschließen und andererseits das vordergründige Erinnern
an die eigenen Opfer einzufordern.
Die offen nationalsozialistischen Akteure verharren bei einer
Schuldabwehr, die die deutschen Verbrechen leugnet, um positiv
an das historische Vorbild anknüpfen zu können. Dieser
Ansatz ist zumindest auf bundespolitischer Ebene nicht durchsetzbar.
up
Entwicklung der Naziaufmärsche
1998: Ca. 30 bis 40 Nazis wurden bei ihrem Versuch zur Frauenkirche
zu gelangen von der Polizei gekesselt und sangen, um ihren Protest
Ausdruck zu verleihen Lieder.
1999: Ca. 200 NaziaktivistInnen mischen sich unter die trauernden
Dresdner Bürger_innen, befestigen gemeinsam zahlreiche, mit
deutschnationalen Farben geschmückte, Kränze an den
Bauzäunen an der sich im Wiederaufbau befindenden Frauenkirche
und zünden Kerzen an.
2000: 500 Nazis nehmen an einem nächtlichen Trauermarsch,
organisiert von JLO und NPD, teil. Unter ihnen Franz Schönhuber,
Horst Mahler und Gerd Sudholt.
2002: Unter dem Motto: „Ehre den Opfern des Bombenterrors“
versammeln sich 750 Alt- und Jungnazis.
2003: 1.000 Personen kommen zum Nazigedenken nach Dresden.
2004: 2.100 Nazis marschieren durch Dresden, die von den Nazis
als „Trauermarsch“ bezeichnete Demonstration wird
zum festen Bestandteil im Terminkalender der bundesdeutschen Rechten.
Unter den TeilnehmerInnen findet sich alles wieder, was das rechte
Spektrum zu bieten hat, von der NPD über die DVU hin zu den
Vertriebenverbänden und freien Kameradschaften.
up
Heidefriedhof
Am Morgen des 13. Februars findet auf dem Dresdner Heidefriedhof
die offizielle Feierstunde statt. Ein breites Konglomerat aus
städtischen, staatlichen, parlamentarischen und bürgerlichen
Repräsentant_innen gedenkt den Toten mit einer Kranzniederlegung
am so genannten Ehrenhain. Die Anlage selbst ist ein Überbleibsel
des Nationalsozialismus. Ursprünglich als Gedenkstätte
in Form eines altgermanischen Thingplatzes für die Gefallenen
des Ersten Weltkrieges geplant, konnte sie aufgrund des Zweiten
nicht fertig gestellt werden, stattdessen wurden dort die Toten
des Bombardements bestattet. 1948 wird die Anlage zum Ehrenhain
umgestaltet. 14 Stelen werden kreisförmig aufgestellt. Auf
den Stelen stehen die Namen von Konzentrationslagern und Städten
die durch Deutsche zerstört wurden, die einzige Ausnahme
dieser Aufzählung ist -wie könnte es anders sein- Dresden.
Deutlicher lässt sich der revisionistische Charakter der
Anlage wie auch des Gedenkens kaum darstellen. Auf perfide Art
und Weise wird die Bombardierung in eine Reihe mit den Verbrechen
der Deutschen gestellt.
Bisher konnten die Nazis erst nach dem offiziellen Part des Totengedenkens
ihre Kränze abwerfen. Dies hat sich mit dem Einzug der NPD
in Stadtrat und Landtag geändert. Als Mitglieder des Landtags
steht ihnen die Teilnahme am offiziellen Protokoll zu. Das bestätigt
am Ende nur, dass dort, wo kaum eine inhaltliche Differenz auszumachen
ist, eine räumlich-zeitliche Trennung hinfällig wird,
kurz um: es kommt zusammen, was zusammengehört.
up
|