| Schmäckerchen
der Erinnerungskultur - eine Veranstaltung mit linksliberalem
Support im Rathaus
Unter dem Motto "Erinnerung als Herausforderung" traf
sich am 19. 1. 2005 die "Interessengemeinschaft 13. Februar
1945 e.V." im Rathaus um die Präsentation der Stadt
in den Gedenkveranstaltungen auf ihre Vereinnahmung durch ExtremistInnen
zu begutachten. Festgehalten wird das als Teil des IG-Aufrufs
"Ein Rahmen für das Erinnern".
Im unerschütterlichen Glauben, zivilgesellschaftliches Engagement
herausfordern zu können, bemühten sich VertreterInnen
der Jüdischen Gemeinde, des Kulturbüros, OB Rossberg,
Christoph Münchow (Oberlandeskirchenrat) und Helga Lang (IG),
die Dresdner Erinnerungskultur auf ihre Möglichkeiten und
Grenzen zu "überprüfen". Dass "60-Jahre-Kriegsende",
wenn man nur oft genug von der Schuld der alliierten Bombardiers
redet und von der Eigenen schweigt, für Alt- und Neonazis
anschlussfähig sind, ist seit Jahren am 13. sichtbar. Waren
es letztes Jahr 2000 Nazis, die vom Alliierten Bombenholocaust
schwallten, werden diesmal weit mehr erwartet - der Nazislogan
zum 13. Februar lautet dabei "Holocaust" - deutlicher
geht Geschichtsrevisionismus kaum auszudrücken. Und damit
werden sie auch, wie bei jeder Nazidemo in Dresden, zur Synagoge
ziehen, bevorzugterweise ausserhalb des Trauermarsches, bei dem
geschwiegen und sich benommen wird. Das sind dann garantiert nicht
mehr, wie in der Veranstaltung gesagt, die "in geschickter
Weise" von den Nazis genutzten Bilder, die von DresdnerInnen
als trickreiche Vereinnahmung meckernd und tatenlos zur Kenntnis
genommen werden. OB Rossberg schwenkt bei diesem Thema den Fokus
auch gern auf die "LinksextremistInnen", die ja genauso
das Thema missbrauchen würden. Dass Antifas den Tag in seiner
Bedeutung am liebsten abschaffen würden - so dass gar nicht
mehr davon geredet würde - ist ihm wohl entgangen.
Bemerkenswert an der Veranstaltung war, dass anfänglich
ein Zusammenschnitt des Indymedia-Videos vom letzten Jahr gezeigt
wurde. Es sollte motivieren, sich den Nazis entgegenzustellen
und nicht in Plenarsälen über Bilder zu unken. Aufgenommen
wurde das von wenigen. Kein Wunder, bildersensibel war anscheinend
niemand, da hinter dem Podium gleich 2 Exemplare der städtischen
Plakate zum 13. aufgefahren wurden. Da wird gleich so sehr geprotzt
mit der pazifistischen Interpretation des Tages, dass man neben
Dresden zerstörte Städte wie Warschau, Coventry, Rotterdam,
und Bagdad vor einer ruinensteinumrandeten Strasse stellen kann.
Daneben der Schatten einer Ruine, in deren Fensterlöchern
Flammen lodern. Diese Taktik erinnert an den "Thing-Platz"
im Heidefriedhof mit den Stelen, die die Namen von Städten
tragen, in denen Konzentrationslager der Nazis waren und dazu
auch eine Stele mit der Aufschrift "Dresden". Dresden
sei "kein singuläres Ereignis in der Menschheitsgeschichte",
so sprach unerträglich gleichmeiernd Herr Rossberg. Gruss
von den Nazis!
Es kam wie es kommen musste, wie es immer kommt bei Veranstaltungen
zum 13.2. dieselben "Zeitzeugen" wie immer heulen sich
ihre Geschichten aus dem Leib, auch wenn sies schon zum fünfhundersten
Male tun.
So wurde dem statement vom "scheinheiligen Gedenken vor der
Frauenkirche" die Geschichte von Helga Lang nachgeschoben.
Lang jammerte zwischen Hauptsache-nie-wieder-Krieg, Wir-Überlebenden
und Dieser-schreckliche-Krieg und vergass doch glatt das zivilgesellschaftliche
Engagement im NS, speziell das antisemitische - wie im übrigen
auch gern bei Rossberg, kein Wort vom Holocaust. Dieser beschränkte
Pazifismus materialisiert sich nun krönend im diesjährigen
Symbol des bürgerlichen Gedenkens, einer weissen Rose. Ohne
Oral History kommt man da aber nicht hin, hiermit also "Weisse
Rose - die Story": Auf den noch glimmenden Kellerstufen fand
sie den Teller. Seine Rückseite war geschwärzt, doch
liess der Russ die Konturen einer Rose durchschimmern. Die schwarze
Rose! Das Glück jedoch blühte auf der anderen Seite
- die saubere weisse. Und so werden wohl die weissen Ansteckrosen
aus der bekannten Kunstseidenblumenstadt Sebnitz, die, wie vom
gestrigen Podium bemerkt wurde, ja auch mit einigen Problem zu
kämpfen hat (angebliche Verunglimpfung nach rassistischen
Mord), in den nächsten Tagen Dresdens Erinnerungsschneedecke
sein. Unter der stecken schon die Nazis. So bewiesen sie am 15.1.
in Magdeburg, dass sie sich vordrängeln können, wo sie
sonst nur klauen. Das Dresdner Transparent krönten 2 weisse
Rosen!
Die Überlebende Frau Lang hatte einen harten Einstieg vorgegeben.
Nun war von jeder ihre persönliche Geschichte zum 13.'45
gefordert. Eine herausragende sei hier skizziert, denn sie ist
lehrreich. Die Oma von OLKR Münchow arbeitete In der Neugeborenenabteilung
eines Krankenhauses. Als die Bomben fielen, war es auch an ihr,
zu retten, wer zu retten ging. Doch sie musste wählen, welches
Baby zuerst in den sicheren Keller gebracht werden sollte. Und
da erst begriff sie Selektion. - Es ist schwer nachzuvollziehen,
wie vehement Menschen einen Alltag mit Euthanasie und KZs ignorieren
können.
Gemäss dem Untertitel der Veranstaltung - "Wortmeldungen"
- beklagte eine jede ihr Leid. Beispielsweise von der zentralen
Ruine, die nun keine mehr sei und man nun eine neue Stelle bräuchte,
"wo man das Ding in die Massen tragen könnte".
Angeboten wurde dem... die Bodenplatte, die von der IG am 13.
auf dem Altmarkt am Ort der Leichenverbrennung eingelassen wird.
Diesem Herrn vom Bündnis für Arbeit und soziale gerechtigkeit
war es eh zu viel Geschwätz über die Nazis. Wenn man
den ganzen Abend über die NPD reden würde, hätte
diese ja gewonnen. So erstattet er lieber wie vor dem Parteiweihnachtsmann
akkuraten Bericht über seine langjährigen ehrenamtlichen
Tätigkeiten für Frieden durch Völkerverständigung.
Nach dem unvermeidlichen Kommentar, die inhaltlichen Gemeinsamkeiten
des NS mit der DDR müssten ebenfalls untersucht werden, allzheimerte
Helga Lang als Ober-Überlebende: "So wie wir oftmals
dargestellt werden, so sind wir nicht! Wir hatten kein Klischeedenken!"
bis zum krönenden Abschluss: "Wir können einen
Deutschen präsentieren, einen anderen Deutschen!"
Rossberg knüpfte noch schnell den Promo-Faden bis zum Ende.
Für die 800Jahrfeier müsse man unbedingt mehr tun, denn
wie man am 13. sehe, schlügen die Wogen des Interesses nur
kurz hoch um das Jahr über wieder zu verebben. Wär's
wirklich so einfach, Herr Rossberg, bräuchte man sich nur
die Ohren zuzuhalten!
up
|