Alles klar Sächsische Zeitung vom
28. 10. 04 ?!? Die Briten hätten es nötiger sich mit
ihrer Vergangenheit auseinander zu setzen? Wo doch es doch hierzulande
diesbezüglich absolut mau aussieht? Und die Deutschen offensiv
am Nationalsozialismus vorbei einen neuen Nationalstolz etablieren,
der den immer weiter gezogenen Schlusstrich unter der Vergangenheit
auch noch poppig vertont?
Sächsische
Zeitung
Donnerstag, 28. Oktober 2004
„Sorry“ ist manchmal das schwerste
Wort
Vor dem Deutschland-Besuch der Queen: Debatte um Bombenangriffe
Von unserem Korrespondenten Jochen Wittmann,
London
Die britische Königin Elizabeth II.
beginnt am Dienstag kommender Woche ihren dreitägigen Staatsbesuch
in Deutschland.
Sorry ist manchmal das schwerste Wort. So
lautet ein englisches Sprichwort. Kurz vor dem Staatsbesuch der
britischen Königin Elizabeth II. in Deutschland debattieren
die Briten wieder einmal ihr Verhältnis zu Deutschland. Die
Queen, meldete entrüstet das Massenblatt „Daily Express“,
solle sich für den Krieg entschuldigen – unmöglich!
Auch in der „Daily Mail“ hieß es, dass eine
Entschuldigung völlig ausgeschlossen wäre, denn schließlich
habe Deutschland „mehr menschliches Elend verursacht als
jede andere Nation in der Geschichte der Menschheit“.
Gerüchte über ein Wort der Entschuldigung
Was die Briten so erhitzt sind Gerüchte,
nach denen die deutsche Regierung Druck auf die Queen ausgeübt
haben soll: Von ihr werde erwartet, dass sie während ihres
Staatsbesuches, der am Dienstag nächster Woche beginnt, um
Verzeihung bittet für die verheerenden Bombenangriffe auf
die deutsche Zivilbevölkerung im Zweiten Weltkrieg. Stellvertretend
für diesen Terror der Luftangriffe steht die Zerstörung
von Dresden kurz vor Kriegsende. Und da die Queen zu einem Benefizkonzert
für den Wiederaufbau der Frauenkirche einlädt, befürchten
manche ihrer Untertanen zu Hause nun, dass sie auch ein „Sorry“
für die Zerstörung der Elbestadt über die Lippen
bringen könnte.
Sie können beruhigt sein: Dazu wird
es nicht kommen. Zwar gab es in den letzten Wochen gewisse Anzeichen.
Der britische Botschafter in Deutschland, Sir Peter Torry, drückte
seinen Abscheu aus gegenüber dem „Wahn des Krieges,
der damals entfesselt wurde“. Die königliche Familie
selbst ist aktiv im Versöhnungswerk mit Dresden engagiert.
Der Herzog von Kent ist ein Patron des „Dresden Trust“,
der in Großbritannien bisher mehr als eine Million Euro
für den Wiederaufbau der Frauenkirche gesammelt hat. Auch
die Queen spendete dafür einen bedeutenden Betrag.
Doch mehr als Worte des Bedauerns für
das Inferno vom 13. Februar 1945, das die schönste Barockstadt
Deutschlands in Schutt und Asche legte, erwarten politische Beobachter
nicht. Denn in Großbritannien gibt es eine feine Grenze
zwischen Bedauern und Entschuldigung. Für viele Briten symbolisiert
Dresden zwar den Horror des Flächenbombardements und steht
für eine, wie es der Historiker Frederick Taylor kürzlich
formulierte, „unentschuldbare Sache, die unsere Väter
im Namen der Freiheit und Menschlichkeit unternahmen: eine schöne
und vor allem unschuldige Stadt zerstört zu haben“.
Und dennoch ginge ihnen eine Entschuldigung zu weit. Denn das
würde in den Augen vieler Briten den heroischen Freiheitskampf
gegen Nazideutschland in Frage stellen. Deshalb die Aufregung
in der Massenpresse. Und deshalb das Zögern der Queen, Entschuldigung
zu sagen.
Offene Wunde im nationalen Bewusstsein
Die Aufgeregtheit, mit der die These von
der britischen Kriegsschuld zurückgewiesen wird, verrät
allerdings, wie sehr die Luftangriffe auf die deutsche Zivilbevölkerung
immer noch eine offene Wunde im nationalen Bewusstsein sind. Da
gibt es die angestrengten Bemühungen zu beweisen, dass Dresden
ein „legitimes militärisches Kriegsziel“ gewesen
sei. Da wird immer wieder darauf hingewiesen, dass im Kampf gegen
Hitler jedes Mittel recht gewesen sein musste. Da wird allerdings
vermieden zu fragen, ob Krieg derart ausarten darf: Ob man sich,
selbst wenn man zuerst angegriffen und zur „totalen Kriegsführung“
gezwungen wurde, diese Massaker von Zivilisten erlauben kann?
Diese Verdrängung dauert fort. Und dabei haben die Briten
es nötiger als die Deutschen, sich mit diesem Thema auseinander
zu setzen. Denn deren Einstellung zum Krieg wurzelt zum guten
Teil im Heroismus des 19. Jahrhunderts. Da wäre es Zeit,
sich den Lektionen des 20. Jahrhunderts zu stellen.
up
Dresdner Neueste Nachrichten 23.10.04
Die Queen will Bedauern äußern über Dresden-Angriff
Dresden/London. "Darf sich die Königin für die
Bombenangriffe entschuldigen?" fragt der Londoner Daily-Express
und gibt zwei Telefonnummer an: eine für ja, eine für
nein. Die Zeitung berichtete, britische Offzielle hätten
gesagt, die Queen beabsichtige, während ihres Deutschlandbesuchs
vom 2. bis zum 4. November eine Form von Bedauern zu äußern
über die bei britischen Bombardements getöteten Zivilisten.
Das Wort "Sorry", "Entschuldigung" solle aber
nicht fallen.
"In England gäbe es einen Aufschrei, würde sich
die Queen bei den Deutschen entschuldigen", sagt Justin Sparks,
Deutschlandkorrespondent für die "Sunday Times".
Er ist gestern nach Dresden gekommen, um das Thema zu recherchieren.
Denn zwar hatte die Königin sofort den Bericht des Boulevardblatts
dementieren lassen, aber in der Welt ist das Thema trotzdem und
bewegt die Briten. Das Dementi konzentriert sich vor allem auf
den Teil des Artikels, in dem geschrieben wird, Deutschland übe
Druck aus, damit sich die Königin entschuldige. Eine Form
des Bedauerns, das über das bisher von der Queen zu dem Thema
Gesagte hinaus geht, schließt aber auch der Sunday-Times-Korrespondent
nicht aus. Denn ganz aus dem Nichts kommt die Nachricht nicht.
Und Dresden dürfte, obwohl nicht Station des Staatsbesuchs,
eine wichtige Rolle spielen. Immerhin lädt die Queen am 3.
November in Berlin zu einem Konzert zu Gunsten des Wiederaufbaus
der Dresdner Frauenkirche. Eine Geste der Versöhnung. Dass
ausbleibende Gesten zu Verstimmung führen können, hatte
die Königin bei ihrem letzten Besuch in Dresden erlebt, als
sie 1992 an der Frauenkirche vorbeifuhr, aber nicht ausstieg,
empfanden das viele Dresdner als Brüskierung.
Die damals versäumte Geste sagt aber nichts über das
Verhältnis Elizabeth II. zu Dresden. Es ist nie bekannt geworden,
wie viel sie gespendet hat für die Frauenkirche, aber sie
hat es getan, ganz privat und ohne öffentliche Bekanntmachung.
Nun das Konzert in Berlin. Eigentlich könnte das genügen.
Wenn es in der Diplomatie nicht auf Worte ankäme. Ob die
fallen oder nicht, alle werden sich während der drei Deutschland-Tage
von Elizabeth II. darauf konzentrieren. Und es wird ein Drahtseilakt
werden. Ein Bedauern, das könnte für die Briten schon
zu viel, und für manchen Dresdner zu wenig sein. Vielleicht
fallen aber die möglicherweise geplanten Worte auch einer
Vorab-Indiskretion und der kritischen Reaktion der Briten zum
Opfer.
heha
up
times online, 21. Oktober 04
For you British the war has never ended, says Fischer
By Richard Beeston, Diplomatic Editor
JOSCHKA FISCHER, the German Foreign Minister, has accused the
British of perpetuating an outdated image of Germany, which is
still represented in the British media by goose-stepping Nazis.
During a visit to London, Herr Fischer complained that young Germans,
including his own children, did not recognise their country as
it was portrayed on British television.
"If you want to learn how the traditional Prussian goose-step
works, you have to watch British television, because in Germany
in the younger generation - even my generation - nobody knows
how to perform it" said the blunt-speaking Foreign Minister,
who was born three years after the end of the Second World War.
His remarks are part of a concerted attempt by the British and
German governments to build normal relations between the nations,
which are still overshadowed by the legacy of the war 60 years
after it ended.
This summer Gerhard Schröder, the German Chancellor, sought
to consign the Second World War to history when he attended the
last major anniversary ceremony marking the D-Day landings in
Normandy. He also sought personal closure by visiting the site
in Romania where his father, a German soldier, was killed during
the war.
Next month the Queen will make her first state visit to Germany
in more than a decade when she travels to Berlin, Düsseldorf
and Brandenburg. During the trip she will host a concert in Berlin
to raise money for the restoration of the Dresden Frauenkirche,
which was destroyed by Allied bombing in 1945. In preparation
for the trip, Sir Peter Torry, the British Ambassador to Berlin,
last week paid tribute to the victims of the RAF's bombing campaign
against German cities, although his remarks fell short of an apology.
In spite of the effort, Herr Fischer clearly believes that more
needs to be done, particularly to convince the British people
to change.
"My children are 20 and 25, and when they watch Germany in
some of the British media they think this is a picture they have
never seen in their whole lifetimes" he said. "Germany
has changed in a democratic, positive way. Today this is a democracy.
Two or three generations have grown up as real democrats."
He said that co-operation between London and Berlin at an official
level was "excellent", but complained that there was
still a problem among the nations.
"People-to-people, there is a problem and I think the media
are playing a very important role" he said. The two governments
wanted to build on the 1,900 twinnings that had been made between
British and German schools and Herr Fischer encouraged more Britons
to visit Berlin and see Germany for themselves.
Although complaining about gratuitous references to the war in
the British press, Herr Fischer was guilty of using wartime metaphors
himself yesterday.
Asked about the prospects of Turkey's application to join the
European Union, he replied: "To modernise an Islamic country
based on the shared values of Europe would be almost a D-Day in
the War against Terror."
up
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