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23. Januar 2005, Deutschlandradio
Reaktionen auf den Eklat im sächsischen
Landtag
Nach dem NPD-Eklat im sächsischen Landtag
in Dresden haben Spitzenpolitiker zurückhaltend auf Forderungen
reagiert, erneut ein Verbotsverfahren anzustreben. Bundesinnenminister
Otto Schily betonte im ARD-Fernsehen, nun müsse man sich
vor allem auf die politische Auseinandersetzung mit der Rechtspartei
konzentrieren.
Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt
(CDU) sagte der Deutschen Presseagentur, Aktionismus helfe nicht
weiter, sondern nütze im Falle eines erneuten Scheiterns
nur der NPD. Grünen-Parteichefin Claudia Roth rief dazu auf,
bei den kommenden Wahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen
durch eine hohe Beteiligung dafür zu sorgen, dass Rechtsextreme
nicht in die Landtage kämen.
Das Bundesverfassungsgericht hatte das Verbotsverfahren
gegen die NPD im Jahr 2003 eingestellt, nachdem sich herausgestellt
hatte, dass mehrere Zeugen als V-Leute für den Verfassungsschutz
arbeiteten.
NPD spricht von "Bomben-Holocaust"
Redner der NPD hatten am Freitag britische
und amerikanische Soldaten wegen der Luftangriffe auf Dresden
als Massenmörder bezeichnet und von "Bomben-Holocaust"
gesprochen. Zudem hatten sich die zwölf NPD-Abgeordneten
nicht an einer Schweigeminute zum Gedenken an die Opfer der NS-Gewaltherrschaft
beteiligt.
Wegen dieser Äußerungen schaltete
sich die Dresdner Staatsanwaltschaft ein. "Wir prüfen
den Verdacht der Volksverhetzung wegen des Ausdrucks 'Bomben-Holocaust'",
sagte Oberstaatsanwalt Andrea Feron am Freitagabend.
Zentralrat der Juden in Deutschland verurteilt
Äußerungen
Der Zentralrat der Juden in Deutschland
reagierte mit Empörung auf den Vorfall. Für die Äußerungen
der Abgeordneten gebe es weder eine Rechtfertigung noch eine Entschuldigung,
hieß es in einer Erklärung. Die Bombenangriffe auf
Dresden mit dem Holocaust in Beziehung zu setzen, sei eine perfide
Relativierung auf Kosten sämtlicher Opfer und eine Provokation
der etablierten Parteien und aller Demokraten. Antisemitisches
Gedankengut sei längst wieder salonfähig geworden und
habe durch den Einzug Rechtsextremer in die Landtage von Sachsen
und Brandenburg traurige Bestätigung gefunden, erklärte
der Zentralrat.
De Maiziére für breite gesellschaftliche
Front gegen Rechtsextremismus
Der sächsische Innenminister de Maiziére
hat davor gewarnt, die Bekämpfung des Rechtsextremismus den
Sicherheitsbehörden und dem Verfassungsschutz zu überlassen.
Der CDU-Politiker sagte der "Sächsischen Zeitung am
Sonntag", das Innenministerium habe zweifellos wichtige Aufgaben
bei der Aufklärung und Bekämpfung von rechtsextremistischen
Straftaten. Für die politische Kultur und Bildung seien jedoch
im wesentlichen Eltern, Lehrer, Medien, Verbände, Gewerkschaften
und Kirchen verantwortlich.
up
22. Januar 2005, ntv
"Geistiges Brandstiftertum"
Schulterschluss gegen NPD
Nach dem Eklat der NPD mit Holocaust-Vergleichen
im sächsischen Landtag haben Politiker von CDU und PDS eine
Wiederaufnahme des NPD-Verbotsverfahrens ins Gespräch gebracht.
Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) lehnt dies allerdings weiter
ab. Die Staatsanwaltschaft Dresden prüft, ob gegen NPD-Abgeordnete
wegen Volksverhetzung ermittelt werden kann. Der Zentralrat der
Juden warf der Politik Versagen vor.
In einer Debatte zur Bombardierung Dresdens im Zweiten Weltkrieg
hatten Abgeordnete der rechtsextremen NPD am Freitag die Zerstörung
der Stadt als "Bomben-Holocaust" der Alliierten bezeichnet
und diese "Massenmörder" genannt. NPD-Fraktionschef
Holger Apfel sagte, in Dresden habe "ein kaltblütig
geplanter industrieller Massenmord an der Zivilbevölkerung
stattgefunden". Dresden war im Februar 1945 bei Luftangriffen
der Alliierten weitgehend zerstört worden, mehr als 35.000
Menschen starben.
Debatte um NPD-Verbot
Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt (CDU) sagte der
"Bild am Sonntag", er sei nicht grundsätzlich gegen
eine Wiederaufnahme des Verbotsverfahrens. Dies müsse aber
sorgfältig vorbereitet sein und ersetze die politische Auseinandersetzung
nicht. Sachsens PDS-Fraktionschef Peter Porsch will dem "Spiegel"
zufolge in Gesprächen mit den anderen Fraktionen im Landtag
erreichen, dass Schily auf Grundlage des neuen Materials von Sachsen
aufgefordert wird, beim Bundesverfassungsgericht erneut gegen
die NPD vorzugehen. Das Gericht hatte 2003 das von Bundesregierung,
Bundestag und Bundesrat angestrebte Verbot der NPD wegen eines
V-Leute-Einsatzes in der NPD-Führung gestoppt.
Schily ist weiter gegen eine Neuaufnahme. Der Minister habe schon
nach der damaligen Gerichtsentscheidung erklärt, er sehe
vorläufig keine Möglichkeit für ein neues Verbotsverfahren,
sagte ein Sprecher des Innenministeriums. Der stellvertretende
Grünen-Fraktionschef Christian Ströbele sagte der Zeitung
"Die Welt", eine Neuaufnahme würde zu viele Risiken
und Propagandachancen für die NPD bringen.
Appelle zum Widerstand gegen die NPD
Der Zentralrat der Juden erklärte, für die NPD-Äußerungen
gebe es weder Rechtfertigung noch Entschuldigung. Man müsse
sich fragen, "was wir uns noch alles in diesem Land gefallen
lassen müssen, bevor die Schmerzgrenze erreicht ist und Abwehrreaktionen
einsetzen." Fremdenfeindliches und antisemitisches Gedankengut
sei längst wieder salonfähig. 60 Jahre nach der Befreiung
des Konzentrationslagers Auschwitz und der Befreiung Deutschlands
von der Nazi-Diktatur sei dies eine Bankrotterklärung der
Politik.
Innenpolitiker von SPD, Grünen und Union forderten, der antisemitischen,
rassistischen und rechtsextremen Haltung der NPD müssten
alle Demokraten mit Widerstand begegnen. Die Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses,
Cornelie Sonntag-Wolgast (SPD), sagte: "Das ist umso dringlicher,
weil im Zusammenhang mit den Feierlichkeiten zum 60. Jahrestags
des Kriegsendes weitere Aktivitäten dieser Art seitens der
Rechtsextremisten zu befürchten sind."
Der innenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion, Wolfgang
Bosbach, sagte im NDR, die Vorgänge in Sachsen würden
dem Bild Deutschlands in der Welt schaden. "60 Jahre nach
Ende des Krieges gibt es immer noch Menschen in Deutschland, die
aus der Geschichte nichts gelernt haben und die auch mit ihrer
politischen Programmatik und ihrer politischen Rhetorik anknüpfen
an die unsägliche Zeit des Dritten Reiches."
up
22. Januar 2005, Telepolis
Während einer Aktuellen Stunde
redet die NPD Klartext.
Nur politisch Naive dürften sich jetzt verwundert die Augen
reiben.
Olaf Meyer
Der neu gewählte Sächsische Landtag
[1] ist gut 100 Tage in Amt und Würden und hat in dieser
Zeit schon mehrfach für Aufsehen weit über seine eigentlichen
Ländergrenzen hinaus gesorgt (Demokratische Vertrauenswürdigkeit
steht auf dem Spiel [2]). Und die Sitzung vom 21. Januar 2005
dürfte vorläufig einen weiteren Tiefpunkt in der vormals
demokratischen Geschichte des Hohen Hauses markieren.
Während einer anberaumten Schweigeminute
für alle Opfer des Nationalsozialismus - "gleichviel
durch welche Willkür- und Gewaltmaßnahmen sie zu Schaden
gekommen sind" -verließen die 12 Abgeordneten der NPD
das Plenum. Die NPD-Fraktion wolle allein der Opfer der Bombardierungen
deutscher Städte durch die Luftangriffe der Alliierten gedenken,
wurde erklärt.
In seinem nachfolgenden Redebeitrag erklärte
der NPD-Abgeordnete Jürgen W. Gansel [3]: "Mit dem heutigen
Tag haben wir auch in diesem Parlament den politischen Kampf gegen
die Schuldknechtschaft des deutschen Volkes und für die historische
Wahrhaftigkeit aufgenommen." Gansel bezeichnete die Bombardierung
Dresdens am 13. Februar 1945 als "Bomben-Holocaust".
Der Alterspräsident des sächsischen
Landtags, Cornelius Weiss (SPD), sagte in seiner Rede zur geschichtlichen
Verantwortung Deutschlands im Zweiten Weltkrieg den NPD-Beiträgen
entgegenhaltend unter anderem:
Am Ende kehrte das Feuer in das Land der
Brandstifter zurück. Wie sagte Heinrich Heine in hellseherischer
Voraussicht: "Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt
man am Ende auch Menschen." Eine deutsche Stadt nach der
anderen fiel den alliierten Bombenangriffen zum Opfer. Keine drei
Monate vor Kriegsende traf dieses Schicksal auf besonders furchtbare
Weise die Kunst- und Kulturstadt Dresden. So wichtig es ist, diese
schrecklichen Ereignisse unserer gemeinsamen Geschichte in Erinnerung
zu bewahren, so sinnlos, ja gefährlich ist es, sie gegeneinander
aufzurechnen ... Zur Erinnerung: Erst wollte der "größte
Führer aller Zeit" Österreich, dann das Sudetenland,
dann Rest-Tschechien, dann den "Korridor", dann ganz
Polen und schließlich die ganze Welt. Ein Ver-Führer
- ein ver-führtes Volk, das am Ende die Zeche zahlen musste.
... Sorgen wir gemeinsam dafür, dass sich Geschichte nicht
wiederholt. Das und nichts anderes ist das Vermächtnis von
Dresden, die Lehre aus jener furchtbaren Nacht vor 60 Jahren.
Weiss betonte weiter: "Wir dürfen
das Dresdner Inferno niemals vergessen, wir dürfen aber auch
nicht vergessen, wie es dazu kam." Hier nannte er beispielsweise
die Machtergreifung Hitlers 1933, die Verfolgung der Juden, den
Massenmord in Konzentrationslagern, die deutschen Bombardements
auf das spanische Guernica und das englische Coventry. An die
Demokraten im Parlament richtete der Alterpräsident seinen
Appell, "mit aller Entschiedenheit jenen in den Arm zu fallen,
die schon wieder nach der Brandfackel greifen". Von der Zuschauertribüne
des Landtags wurde die Rede von Cornelius Weiss aus einer Gruppe
sehr zahlreich anwesender Rechtsextremisten heraus mit "alter
Jude" kommentiert.
Gansel wiederum sagte im Hinblick auf die
Ausführungen des Alterspräsidenten, dass moralische
Betroffenheit keine historischen Fakten ersetze. Die Fraktionen
von Bündnis 90/Die Grünen und PDS verließen daraufhin
vollständig, die von SPD, CDU und F.D.P. teilweise den Plenarsaal.
Gansel wörtlich: "Der Bomben-Holocaust von Dresden steht
ursächlich weder im Zusammenhang mit dem 1. September 1939
noch mit dem 30. Januar 1933."
Der NPD-Fraktionsvorsitzende Holger Apfel
[4] titulierte - "mit Schaum vor dem Mund und in Goebbelscher
Manier" (Weiss) - den 8. Mai 1945 als den "Tag der vermeintlichen
Befreiung Deutschlands" und sprach des weiteren davon, die
"gleichen Massenmörder", die Dresden am 13. Februar
ausgelöscht hätten, seien "heute drauf und dran,
neue Kriege vom Felde zu ziehen".
Die Staatsanwaltschaft Dresden prüft
gegenwärtig rechtliche Schritte. Die Vorgänge und Aussagen
in der Landtagssitzung vom 21. Januar sollen wegen des Verdachtes
auf Volksverhetzung "genauer ausgewertet" werden.
Die NPD-Fraktion hat mittlerweile eine Kundgebung
zum "Gedenken an die Opfer des anglo-amerikanischen Terrorangriffs
auf Dresden vor 60 Jahren für den 13. Februar 2005"
vor dem Landtagsgebäude in Dresden angemeldet. Die Schirmherrschaft
über den abendlichen so genannten Trauermarsch der Jungen
Landsmannschaft Ostpreußen hat "auf Beschluss der Fraktion"
Holger Apfel übernommen. Die Ordnungsbehörde der Stadt
Dresden rechnet für diesen Tag mit 5.000 Rechtsextremisten.
Links
[1] http://www.landtag.sachsen.de/slt_online/start.asp
[2] http://www.telepolis.de/r4/artikel/19/19271/1.html
[3] http://dokmz.akdh.ch/blog/2004/09/npd-mann-gansel-hetzer-mit-nsdap.html
[4] http://lexikon.idgr.de/a/a_p/apfel-holger/apfel-holger.php
up
22. Januar 2005, Die Welt
Vortrag
über Dresdner Bombennacht unter Polizeischutz
Eskalation verhindert - Expertenkommission korrigiert die Zahl
der Toten auf etwa 35 000
von Sven Felix Kellerhoff
Dresden - Demonstrative Unnachgiebigkeit
hat am Donnerstag abend eine Eskalation beim umstrittenen Vortrag
des britischen Historikers Frederick Taylor über die Zerstörung
Dresdens 1945 verhindert. Zehn Mannschaftswagen der Polizei standen
vor dem Dresdner Rathaus, Beamte in Zivil und ein privater Sicherheitsdienst
gewährleisteten die Ordnung im bis auf den letzten Platz
gefüllten Festssaal. Moderator Gerhard Besier kündigte
an, daß die Veranstaltung abgebrochen werde, wenn es statt
zu kritischer Diskussion zu Protestaktionen käme. Dank der
massiven Präsenz der Ordnungskräfte, und weil Taylor
bewußt zurückhaltend sprach, blieb die befürchtete
Konfrontation mit Rechtsextremisten aus.
Im Vorfeld des Symposiums, zu dem das Hannah-Arendt-Instituts
der Technischen Universität eingeladen hatte, gab es scharfe
Attacken gegen Taylors Auftritt von lokalen Zeitungen und Kommunalpolitikern.
Die Erinnerung an den verheerenden Feuersturm in der Nacht vom
13. auf den 14. Februar 1945 ist in Dresden sehr präsent
und bei weitem stärker politisiert als in allen anderen deutschen
Städten. Daher haben zum 60. Jahrestag die NPD und verschiedene
Neonazi-Gruppen ihre Anhänger zu einer großen Demonstration
in der sächsischen Landeshauptstadt aufgerufen.
Das Dresdner Publikum, darunter viele Menschen, die als Kinder
die Angriffe selbst miterlebt haben, ist von anderen Veranstaltungen
als mitunter rabiat bekannt. Die besondere Brisanz erwächst
aus der mehrfachen Instrumentalisierung: Zuerst nutzte Goebbels
die Verwüstungen propagandistisch, woran später westdeutsche
Rechtsextremisten nahtlos anknüpften, um den Holocaust zu
relativieren. Zugleich baute die SED die Zerstörung Dresdens
zum Exempel für die "Bösartigkeit des angloamerikanischen
Imperialismus" aus. Die 40 Jahre währende Indoktrination
in diesem Sinne dominiert in vielen Köpfen weiter.
So schlugen zahlreiche Diskussionsteilnehmer den Bogen von Hitler
bis ins 21. Jahrhundert und attackierten den angeblichen "Verrat"
der Bundesregierung an den Lehren des Zweiten Weltkriegs: "Nie
wieder Krieg." Erleichtert hatte diese unsinnige Verknüpfung
bereits vor Taylors Auftritt der Hamburger Rechtsethiker Reinhard
Merkel, der in populistischem Stil die Intervention der Nato im
Kosovo 1999 und das Bombardement Dresdens verknüpfte und
beide gleichermaßen als "Kriegsverbrechen" charakterisierte,
wofür er viel Beifall aus dem Publikum bekam. Die übrigen
Fachvorträge von Luftkriegsexperten hatten dagegen, bei aller
inhaltlichen Notwendigkeit, eher ermüdet.
Gestern traf sich die von Dresdens Oberbürgermeister Ingo
Rossbach berufene Expertenkommission um die Militärhistoriker
Rolf-Dieter Müller, Horst Boog und Rüdiger Overmans.
Sie soll auf der Grundlage aller verfügbaren Unterlagen die
umstrittene Frage der Toten in Dresden abschließend klären.
Mit ersten Ergebnissen ist bereits im Sommer zu rechnen; allerdings
war zu hören, daß nach bisherigen Recherchen die heute
übliche Angabe von 35 000 Opfern eher zu hoch als zu niedrig
sei. Hier liegt absehbar der Stoff künftiger Konflikte.
Trotz des glimpflichen Verlaufs von Taylors Auftritt erwarten
Experten in Dresden für den Jahrestag des Bombardements heftige
Auseinandersetzungen. "Daß sich die Neonazis heute
zurückgehalten haben, ist auch taktisch bedingt - sie wollten
kein Versammlungsverbot für den 13. Februar riskieren",
war am Rande der Diskussion von Vertretern der seriösen "Interessengemeinschaft
13. Februar" zu hören.
up
21. Januar 2005, Freie Presse
Staatsanwaltschaft will sich mit NPD-Reden
im Landtag befassen
Dresden (ddp-lsc). Die Staatsanwaltschaft Dresden will am Montag
mögliche rechtliche Schritte gegen die rechtsextreme NPD
prüfen. Zunächst müssten die Vorgänge und
Aussagen im Landtag vom Freitag genauer ausgewertet werden, sagte
der Sprecher der Dresdner Staatsanwaltschaft, Andreas Feron, auf
ddp-Anfrage. Im Raum stehen Ermittlungen wegen Volksverhetzung
gegen Mitglieder der NPD-Landtagsfraktion.
CDU wie auch Grüne hatten unmittelbar
nach den skandalösen Reden von NPD-Parlamentariern gefordert,
die Staatsanwaltschaft solle sich der Sache annehmen. Die NPD-Angeordneten
Holger Apfel und Jürgen Gansel hatten im Landtag NS-Verbrechen
relativiert, die Bombardierung Dresdens am 13. Februar 1945 als
«Bomben-Holocaust» und britische sowie amerikanische
Soldaten als «Massenmörder» bezeichnet.
up
21. Januar 2004, Spiegel online
EKLAT IN SACHSEN
NPD-Abgeordnete verweigern Schweigeminute
für NS-Opfer
Die Rechtsextremen im Dresdner Landtag haben
einen neuen Skandal provoziert: Die Abgeordneten der NPD verließen
heute demonstrativ den Sitzungssaal, als das Parlament eine Schweigeminute
zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus abhalten wollte.
Dresden - Zuvor hatte Landtagspräsident
Erich Iltgen (CDU) alle Abgeordneten zu Sitzungsbeginn dazu aufgefordert,
den Opfern der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft die Ehre
zu erweisen, "gleichviel durch welche Willkür und Gewaltmaßnahmen
sie zu Schaden gekommen sind".
Die NPD-Fraktion, die zuvor eine Gedenkminute
wegen der Opfer des Luftangriffs der Alliierten auf Dresden am
13. Februar 1945 beantragt hatte, zog geschlossen aus dem Parlament
aus. Die NPD kritisierte ein unzureichendes Gedenken des Landtags
und der Staatsregierung an die Bomben-Opfer.
Zu der Schweigeminute hatte sich Iltgen
nach Angaben von Parlamentssprecher Ivo Klatte kurzfristig entschlossen,
um dem NPD-Antrag zuvorzukommen. Dieser war von der Landtagsverwaltung
aus formalen Gründen für unzulässig erklärt
worden.
Auch der Bundestag will mit einer Gedenkstunde
zum 60. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz
am 27. Januar an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Wie
die Parlamentspressestelle heute mitteilte, wird nach einer Ansprache
von Bundestagspräsident Wolfgang Thierse der Professor Arno
Lustiger die Gedenkrede halten. Lustiger hat mehrere Konzentrationslager
überlebt und nach Kriegsende die Jüdische Gemeinde in
Frankfurt am Main mit begründet.
Lustigers Hauptengagement gilt der Aufarbeitung
des jüdischen Widerstands. Im Anschluss an seine Rede soll
der Liedermacher und Schriftsteller Wolf Biermann aus "Großer
Gesang vom ausgerotteten jüdischen Volk" Gedichte des
in Auschwitz ermordeten Jizchak Katzenelson rezitieren. Auch in
diesem Jahr werden wieder 100 Jugendliche aus Deutschland, Polen
und Frankreich an der Gedenkstunde teilnehmen.
up
20. Januar 2005, Die Welt
Die neue
Feigheit
Beim Streit um die Bombardierung Dresdens ist die Freiheit der
Wissenschaft in Gefahr
von Gerhard Besier
Wenn Amerika und Europa 2005 des Sieges
über das nationalsozialistische Deutschland gedenken, geht
es auch um die Erinnerung an die Einäscherung deutscher Städte
- zuletzt die Dresdens. Die dazu von Politik und Wissenschaft
angebotenen Veranstaltungen gehören zu den erprobten Ritualen
kollektiver Erinnerung und haben eine wichtige kulturelle Funktion
- was immer man kritisch zu solchen Veranstaltungen sagen kann.
So weit, so gut - gäbe es nicht den Rechtsradikalismus: Die
sächsische NPD möchte die historischen Anlässe
instrumentalisieren, sich ein Forum schaffen und Geschichte umdeuten.
Um den Preis, daß nunmehr keine andere Partei das Landtagsgebäude
mehr zu solchen Zwecken nutzen darf, wurde es der NPD verwehrt,
im Sächsischen Parlament eine Anklageveranstaltung gegen
Großbritannien und die USA zu zelebrieren. Den Landtagsabgeordneten
steht morgen eine von der NPD-Fraktion beantragte aktuelle Debatte
ins Hohe Haus. Thema: "Verhalten der Sächsischen Staatsregierung
und des Landtages zu Erinnerungs- und Gedenkveranstaltungen zum
60. Jahrestag der anglo-amerikanischen Terrorangriffe auf die
sächsische Landeshauptstadt Dresden."
Das Dresdner Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung
bietet heute - in Kooperation mit der Landeshauptstadt Dresden
- ein seit langem vorbereitetes wissenschaftliches Forum über
"Strategische und ethische Probleme des Bombenkriegs"
an. Wissenschaftler aus Deutschland und Großbritannien,
die sich eingehend mit der Materie beschäftigt haben, werden
öffentliche Vorträge halten. Unter ihnen ist auch der
britische Historiker Frederick Taylor. Er hat im vergangenen Jahr
ein umfangreiches Buch über die Bombardierung Dresdens am
13. und 14. Februar 1945 veröffentlicht.
Taylor ist ein seriöser Wissenschaftler, der sehr differenziert
das komplexe Problem des Bombenkrieges erörtert. Aber was
macht das schon? Ein Dresdner Stadtrat von der FDP(!) läßt
sich zitieren: "Instinktlos, dem Mann im einst zerstörten
Rathaus eine Bühne zu bieten. Damit tritt man die Gefühle
der Opfer mit Füßen ..." Der Stadtrat will wohl
nicht wissen, daß die Chaosfolgen des Bombenangriffs Victor
Klemperer und manch anderen noch nicht ermordeten Dresdner Juden
vor dem Tod bewahrten. In einer Pressemitteilung der FDP-Fraktion
moralisierte der FDP-Stadtrat weiter: "Daß man eine
derartige Veranstaltung ausgerechnet kurz vor dem 60. Jahrestag
der Zerstörung durchführt, halte ich nicht nur für
besonders kritikwürdig, es trägt auch in keiner Weise
zur Völkerverständigung bei. Statt dessen sichert es
jenen erneuten Beifall, die ohnehin mit wachsendem Erfolg ein
ganz anderes Geschichtsbild verbreiten wollen." Der Stadtrat
ist also nicht nur selbst empört über die Tagung, er
äußert auch die Sorge, man gebe der NPD eine Steilvorlage.
Wissenschaftler sollen ihr Recht auf freie Darstellung ihrer Forschungsergebnisse
einschränken, um der NPD keinen Anlaß zu Kampagnen
zu geben. Erneut knicken bürgerliche Politiker ein, statt
den demokratischen Verfassungsstaat und seine Errungenschaften
offensiv zu verteidigen und die Feinde der Demokratie mit Sachargumenten
in die Schranken zu weisen. Wer die Landtagsdebatten der vergangenen
Wochen verfolgt hat, kann sich über diese Haltung kaum wundern.
Da wird laviert und verblüffend unsicher agiert, wenn die
"Nationaldemokraten" verbalradikal an den Grundlagen
unserer freiheitlichen Gesellschaft rütteln und keinen Hehl
daraus machen, daß sie ein anderes Deutschland wollen. Die
beiden heimlichen NPD-Sympathisanten aus den anderen Fraktionen,
die bei geheimen Abstimmungen bisher mit den Rechtsradikalen stimmten,
komplettieren das Bild einer gefährlichen Hilflosigkeit auf
seiten der demokratischen Parteien.
Um so wichtiger ist es, daß Wissenschaftler sich von solchen
Verbalattacken nicht einschüchtern lassen. Es gehört
wesentlich zu ihren Aufgaben, bislang geltende Urteile, die für
viele selbstverständlich geworden sind, vor dem Hintergrund
neuer Quellen oder anderer Interpretationsansätze immer wieder
kritisch zu prüfen - ohne Rücksicht auf politische Stimmungen
oder gar Mehrheiten. Wissenschaftler tragen in offenen Gesellschaften
ihre Thesen auch nicht in verborgenen Hinterstübchen vor,
sondern in der Öffentlichkeit.
Das Klima für solche offenen Diskurse wird in Deutschland
freilich frostiger. Unlängst stellte der Philosoph Hermann
Lübbe fest, daß immer mehr an sich diskutable Gegenstände
moralisiert würden, um sie dem öffentlichen Diskurs
zu entziehen. "Der Einspruch gegen Meinungen, die als Meinungen
moralisch für inakzeptabel gelten, lautet nämlich nicht
"Du irrst dich". Er lautet vielmehr "Diese Meinung
ist indiskutabel, und du machst dich unmöglich, wenn du sie
vertrittst"." Wissenschaftler sollten sich getrost "unmöglich"
machen. Sie dürfen sich nicht auch noch wegducken, sondern
müssen den Anfängen wehren. Der Zentralrat der Juden
in Deutschland ist ein guter Seismograph für die Fragilität
der Freiheitsrechte. Wer so tut, als verstehe er die wachsende
Besorgnis nicht, schadet der offenen Gesellschaft.
Gerhard Besier hat den Lehrstuhl für Totalitarismusforschung
an der TU Dresden inne und ist Direktor des dortigen Hannah-Arendt-Instituts.
up
17. Januar 2005, Die Welt
Neonazis marschieren 60 Jahre
nach alliierten Bombenangriffen
Historiker-Streit um die Zerstörung
Dresdens
Berlin - Mit einem Trauermarsch aus Anlaß
des 60. Jahrestages der Zerstörung Magdeburgs durch alliierte
Bomber haben etwa 1000 Rechtsextremisten in der Elbestadt für
heftige Reaktionen gesorgt. Auf einem Spruchband erinnerten die
Neonazis an die Opfer des "alliierten Holocaust". Schätzungsweise
1500 Menschen versammelten sich zu einer Gegendemonstration, mehrere
Hundertschaften Polizei aus vier Bundesländern waren gemeinsam
mit dem Bundesgrenzschutz im Einsatz.
Heute auf den Tag genau vor 60 Jahren hatte der schwerste Angriff
auf die Industriestadt mehrere tausend Todesopfer gefordert. 41
000 Wohnungen, 224 Gaststätten, 15 Kirchen, 23 Schulen und
24 Warenhäuser wurden zerstört - 90 Prozent der von
Barockbauten geprägten Innenstadt lagen in Schutt und Asche.
Die Neonazi-Demo gilt in der rechtsextremen Szene als Auftakt
für bundesweite Aktionen aus Anlaß der Zerstörung
deutscher Städte 1945. Den rechtsextremistischen Aufmarsch
hatte eine sogenannte Initiative gegen das Vergessen angemeldet.
Für den 13. Februar hat die Junge Landsmannschaft Ostpreußen
Rechtsextreme aus dem ganzen Land zum Trauermarsch in Dresden
aufgefordert. Die sächsische Landeshauptstadt war am Abend
des 13. und in der Nacht des 14. Februar mit drei Angriffswellen
britischer und US-Maschinen zerstört worden. Dabei kamen
35 000 Menschen um. Seit Herbst vergangenen Jahres ist die NPD
mit zwölf Abgeordneten im sächsischen Landtag vertreten.
Die "Bild am Sonntag" veröffentlichte gestern Aussagen
des britischen Historikers Frederick Taylor aus dessen jetzt auf
deutsch erschienenem Buch "Dresden, Dienstag 13. Februar
1945". Der 57jährige Taylor, der in Oxford und München
Geschichte und Literatur studierte, rechtfertigt die Angriffe.
Es gab "gute Gründe, Dresden zu bombardieren",
wird er zitiert. In der Stadt habe es "zahlreiche Dinge gegeben,
die bombardiert zu werden lohnten". Taylor ist Verleger und
Autor mehrerer Romane mit Schauplatz Deutschland und veröffentlichte
eine englische Ausgabe der Goebbels-Tagebücher.
Der deutsche Historiker Jörg Friedrich vertritt dagegen die
Auffassung: "Dresden ist das Sinnbild für sinnlose,
exzessive Gewalt, Zerstörung um der Zerstörung willen,
ohne jeden militärischen Zweck". Die Stadt sei "nahezu
wehrlos gewesen". Friedrichs Buch "Der Brand" über
den Bombenkrieg gegen deutsche Städte stand monatelang auf
den Bestsellerlisten.
Am Wochenende wurde auf einem DVU-Parteitag in München beschlossen,
daß die rechtsextreme Deutsche Volksunion zugunsten von
NPD-Kandidaten auf die Bundestagswahl 2006 verzichten wird. Die
ursprünglich angestrebte Listenverbindung läßt
das Bundeswahlgesetz nicht zu. Im September waren NPD und DVU
nach vorherigen Absprachen mit 9,2 und 6,1 Prozent der Stimmen
in die Landtage von Sachsen und Brandenburg gekommen. Der Pakt
regelt weitgehend, welche der beiden Parteien in den kommenden
Jahren zu welchen Landtagswahlen antreten wird. Als "Volksfront
von rechts" streben sie nun auch in die Bundespolitik. "Wir
werden Wahlkämpfe liefern, wo Ihnen hören und sehen
vergeht", sagte NPD-Chef Udo Voigt in München. Auf Übergriffe
politischer Gegner solle mit Gewalt reagiert werden. "Wer
uns angreift, muß damit rechnen, verletzt zu werden."
Die Magdeburger wehrten sich am Wochenende mit einer Mahnwache
für die Opfer des Holocaust, einem Friedensgebet und einer
Menschenkette vor dem Dom gegen den Aufmarsch der Rechtsextremen.
Daran beteiligten sich auch zahlreiche Prominente wie Landtagspräsident
Adolf Spotka, Ex-Ministerpräsident Reinhard Höppner
und Finanzminister Karl-Heinz Paqué. Alle zehn Minuten
läuteten die Glocken des Doms, um gegen die Neonazi-Kundgebung
zu protestieren. Domprediger Giselher Quast erinnerte an die Toten
des Zweiten Weltkrieges. "Diese Opfer waren Opfer des deutschen
Faschismus", sagte er. Der Krieg wäre nicht auf Deutschland
zurückgekommen, wenn er nicht von Deutschland ausgegangen
wäre. Der Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes,
Udo Gebhard, forderte mehr Aufklärung über den erstarkenden
Rechtsextremismus. "Dieser braune Ungeist steckt inzwischen
in den Hirnen vieler Menschen", warnte er. Mit Besen bewaffnet,
säuberten nach dem Abmarsch der Neonazis die Magdeburger
den Domplatz vom "brauen Ungeist". DW
up
14 Januar 2005 16:28 CET, Reuters
NPD will
Bombardierung deutscher Städte für ihre Ziele nutzen
Dresden (Reuters) - Die rechtsextreme NPD
will die Bombardierung deutscher Großstädte gegen Ende
des Zweiten Weltkrieges vor 60 Jahren für ihre Ziele nutzen.
Dresdens Oberbürgermeister Ingolf Roßberg
(FDP) sagte am Freitag, Rechtsradikale versuchten, den 13. Februar
für ihre Zwecke zu missbrauchen. In der Stadtverwaltung wird
der Aufmarsch von bis zu 5000 Rechtsextremisten aus dem gesamten
Bundesgebiet befürchtet. Auch in anderen deutschen Städten
sind 60 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Neonazi-Aufmärsche
geplant, die teilweise von der NPD unterstützt werden.
In Magdeburg hat eine rechte Gruppierung
für diesen Samstag eine Demonstration angemeldet. Unterstützt
wird der Aufmarsch von der NPD. Linke Gruppen planen nach Polizeiangaben
Gegenveranstaltungen. Schauplatz des größten Aufmarsches
soll offenbar Dresden werden. Die rechte Szene wird in einschlägigen
Internetseiten dazu aufgerufen, an dem geplanten "Trauermarsch"
durch Dresden im Februar teilzunehmen. Schirmherr des geplanten
Aufmarsches ist nach Parteiangaben der der stellvertretende NPD-Vorsitzende
und sächsische Fraktionschef Holger Apfel. In den Aufrufen
ist die Rede unter anderem vom "Bomben-Holocaust" und
"Völkermord am deutschen Volk".
Dresden war am 13. Februar 1945 bei Luftangriffen
der Alliierten schwer zerstört worden. Schätzungen zufolge
kamen bis zu 35.000 Menschen ums Leben. Neonazis reden dagegen
von einer halben Million Toten.
Dresdens OB Roßberg rief die Bürger
auf, bei den geplanten Veranstaltungen der Stadt "ein Zeichen
gegen den Missbrauch des Erinnerns zu setzen". Er erklärte
zugleich, dass die Stadt keine Handhabe habe, den geplanten Aufmarsch
zu verhindern. Die Stadt werde allerdings wie in der Vergangenheit
auch strenge Auflagen erteilen.
up
7. Januar 2005, Frankfurter Rundschau
RECHTSEXTREMISMUS
Dresden kämpft um sein Gedenken
Am 13. Februar 1945 ging Dresden im
alliierten Bombenhagel unter. Tausende starben. 60 Jahre später
deuten Neonazis das Inferno zu ihren Zwecken um.
VON BERNHARD HONNIGFORT (DRESDEN)
Robert Ley, Leiter der Deutschen Arbeitsfront, jubelte im
Frühjahr 1945: Nun werde niemand mehr durch die Denkmäler
deutscher Kultur abgelenkt. Was den führenden Nationalsozialisten
zu dem Gefühlsausbruch veranlasst hatte, war die Bombardierung
Dresdens am 13. und 14. Februar 1945 gewesen. Bei den Luftangriffen
waren Tausende Menschen ums Leben gekommen und das prachtvolle
Zentrum der alten Barockresidenz in Schutt und Asche versunken.
60 Jahre später versuchen die neuen
Nazis das Bombeninferno zu ihren Zwecken umzudeuten. Keine
Freude über pulverisierte überflüssige Kultur,
jetzt ist von 500 000 Toten durch die alliierten Luftangriffe
auf Dresden die Rede, vom deutschen "Holocaust",
in den die Bombenangriffe umgedeutet werden sollen.
Die NPD-Fraktion im Dresdner Landtag
scheiterte kürzlich mit Versuchen, am 12. Februar eine
eigene Feier im Gedenken an die Dresdner Bombennächte
im Landtag abzuhalten. Das Landtagspräsidium untersagte
den Fraktionen schlicht die Nutzung des Plenarsaales für
eigene Veranstaltungen.
Dennoch blicken etliche Dresdner mit
Bangen auf das historische Datum. Die Stadt plant zwar etliche
Gedenkveranstaltungen, Bundespräsident Wolfgang Thierse
(SPD) und die Botschafter der vier Siegermächte sind
eingeladen. Doch auch Rechtsextremisten planen. Wie in den
vergangenen Jahren auch hat die "Junge Landsmannschaft
Ostpreußen" eine Demonstration angemeldet. Kamen
früher in der Regel ein paar Hundert und zum 50. Jahrestag
der Bombardierung etwa 1000 Nazis, fürchtet die Stadt
in diesem Jahr einen Aufzug von bis zu 5000 Rechtsextremisten
aus ganz Deutschland und europäischen Nachbarländern.
"Die Rechtsextremisten wollen den
13. Februar zu einer ihrer Großveranstaltungen machen",
sagt Kai Schulz, Sprecher der Stadt Dresden. "Wir hoffen,
dass alles glimpflich abgeht."
Die Bombardierung Dresdens, so Schulz,
sei auch 60 Jahre danach immer noch ein Thema, das viele Menschen
bewege. Monatlich 50 Briefe und E-Mails bekomme das Rathaus,
in denen es um das Bombardement gehe und vor allem die Frage,
wie viele Menschen damals starben. "Mindestens 25 000
Menschen", antwortet das Dresdner Rathaus, wo man sich
auf alte Bestattungsakten beruft. 35 000 Tote, eine Zahl,
die damals der Leiter des Bergungsteams angab, wird schon
für zu hoch gehalten, ganz zu schweigen von den bis zu
500 000 Toten von denen Rechtsextremisten reden.
Um den Rechtsextremisten den Wind aus
den Segeln zu nehmen und um die Frage endgültig zu klären,
hat Dresdens Oberbürgermeister Ingolf Rossberg (FDP)
jetzt eine prominente zwölfköpfige Historikerkommission
einberufen. Sie soll bis zum 800-jährigen Stadtjubiläum
2006 beantworten, wie viele Tote es wirklich waren.
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