| Das Ergebnis "knoppistischer Geschichtsverdrehung"
ZDF am 08. Februar 2005 um 20.15 Uhr:
"Drama von Dresden"
Kommentar des Rencontre-Weblog
www.contreblog.tk

It had to be done.
Sorry
Deutsche Historiker sollten sich darauf beschränken, Historiker
zu sein. Das beherrscht schon ein Guido Knopp nicht. Mit dem "Drama
von Dresden", einem 90-minütigen Opferepos von Sebastian
Dehnhardt, erreicht das deutsche Leiden im sechzigsten Jahr nach
dem Ende des Nationalsozialismus einen vorläufigen medialen
Höhepunkt, zeitnah zum 13. Februar. Nicht versäumt wurde
eine vorauseilende Entschuldigung für den dargebotenen revisionistischen
Schund: "Wer vom Dresdner Leid spricht, darf von deutscher
Schuld nicht schweigen", wird ein Frauenkirchen-Pfarrer quotiert,
der sich Anleihe bei einem ungleich intelligenteren Zitat nahm.
Damit sei die folgende Inszenierung entschuldigt und auch der
Kommentar eines britischen Bomberpiloten, der da sprach: "It
had to be done".
Die Exposition: Dresden als idyllische Weltstadt, das "Elbflorenz"
mit historischen Bauten und kulturellen Schätzen; als Hort
von Kinderspaß und unbeschwerter Jugend mitten im grausigen
Krieg; als Hüterin deutscher Humanität, als Flüchtlingslager.
Natürlich gibt es eine Schattenseite: in Dresden lebten auch
Nazis. Aber jeder hat seine Leiche im Keller. So auch die anrückende
Rote Armee, die - so eine offenbar ernst gemeinte Parodie auf
den Tieffliegermythos der Elbwiesen - bäuerliche Flüchtlingtrecks
aus den Ostgebieten auf ihrem Fußweg nach Dresden gnadenlos
beschoss. Während also Dresden dasteht, mächtig und
unbesiegbar und ein Beleg deutscher Standhaftigkeit, Schmieden
die Antagonisten Pläne, dieses Idyll zu zerstören. Die
Verschwörer treffen sich auf Jalta, sie konspirieren zwecks
einer "Neuordnung Europas" und ersinnen die "Operation
Thunderclaw". Ihr Exekutor ist ein "Butcher Harris",
bekanntlich Erfinder des "moral bombing".
Dann kommt der 13. Februar und "über dem alten Dresden
geht zum letzten Mal die Sonne auf". Noch ahnt niemand etwas.
Kinder spielen und erfreuen sich am Fasching; ihre Eltern besuchen
den "Zirkus Sarrasani" und amüsieren sich dort;
Freunde gehen ins Kino; Jugendliche feiern Geburtstag. Freundlichkeit
und Liebe überall. Zur gleichen Zeit werden in Engelland
die Langstreckenbomber beladen. Dresden, eine völlig zivile
Stadt, geriet zum Kriegsziel. Der Angriff beginnt heimtückisch,
niemand bekommt etwas mit, alle halten das Sirenengeheul für
Fehlalarm. Und weil Dresden mit dem Krieg nie etwas zu tun hatte,
gab es dort kaum Luftschutzbunker. Der Rest ist bekannt: in drei
Schüben entladen alliierte Bomber ihre tonnenschwere explosive
Last und "die Apokalypse bricht an". Das dauert "eine
Nacht und einen Tag lang" und "für Dresden scheint
die Apokalypse kein Ende zu nehmen".
Selbst der Vernichtung nahe bewahren sich die Dresdner ihre weltberühmte
Humanität. Ein Luftschutzwart etwa gestattet es einer Hand
voll Jüdinnen und Juden (den allerletzten im Reichsgebiet),
auch im Keller Platz zu nehmen. Viele Menschen müssen jedoch
sterben. Wie viele, ist nicht bekannt. Der Zuschauer muss selbst
entscheiden zwischen 35.000 und 350.000. Auch fiese Konstruktionen
werden zur Anwendung gebracht: wahlweise Napalm- oder Phosphorbombem.
Und in der Frage nach Tieffliegern ist erneut die Phantasie des
deutschen Zuschauers gefragt, dem es keine Mühe bereiten
wird, sich schnell ein Schreckensszenario herbeizulügen.
Hier hinein passen auch Zeitzünderbombem, welche den Löschtrupps
der Hitlerjugend stark zusetzen.
Doch das Glück ist mit den Guten: Frauen entbinden bei Kerzenschein,
viele Menschen überleben auf wundersame Weise, auch ein paar
Juden entkommen so Deportation und Tod - errettet durch die Hand
des Luftschutzwarts. Vielen Deutschen, vielen Dresdnern wurde
nicht geholfen. Deshalb ist Dresden "heute weltweit ein Symbol
für die Grauen des Bombenkrieges geworden". Das Drama
führt zur Katharsis, nachdem die Helden grausam starben.
Soundsoviel zehnhunderttausend einfache deutsche Bürger.
Welch Tragik.
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