| Demo am 12. - no tears for
krauts
Während des nachmittäglichen Demotreffs
am 12. Februar verzog sich das Regenwetter und es sammelten sich
über 500 Leute. Während der Demo wurden dann über
700 Antifaschistinnen gezählt. Der Treffpunkt Kulturpalast,
in den 70er Jahren statt der zerstörten Häuser errichtet,
zeugt von der Moderne, die sich nach dem Bombardement entwickeln
konnte.
Im Eröffnungsredebeitrag hiess es: "Wir wollen gegen
das Dresdner Trauerspektakel demonstrieren, gegen den deutschen
Opfermythos, gegen das liberale Bürgerkollektiv dieses neuen
Deutschland, was so viel aus der Vergangenheit gelernt hat, das
sie Auschwitz und Dresden gleichzeitig gedenken können. Zudem
demonstrieren wir gegen diesen entsetzlichen Naziaufmarsch, bei
dem wieder mehrere tausend autoritäre Idioten für die
Wiederkehr der Barbarei demonstrieren werden."
Die Demo setzte sich dann mit vielen Fahnen vor allem der Alliierten
des 2. WK und vielen verknoteten Seitentranspis in Bewegung und
ging stimmungsvoll und aktiv eine Runde durch die wiederaufgebaute
barocke Altstadt. Großartig in der Kulisse und deutlich
in der Aussage durch die Fahnen und Transpis und die eingespielten
Jingles gegen das Opfergeheul des 13. Februars. Vor der Semperoper
auf dem Theaterplatz eine längere Zwischenkundgebung unter
anderem zum Thema "Nazi-Erben auf die Fresse - Flick-Collection
auflösen - ZwangsarbeiterInnen entschädigen!"
Nach einem kurzen Ausflug über die Augustusbrücke auf
die Neustädter Seite zog die Demo über die Carolabrücke
zur Synagoge. Architektonisch ist dieses Bauwerk Gegenstück
zur historisierend aufgebauten Altstadt, denn es zeigt eine Auseinandersetzung
mit der Shoa - und setzt einen klaren Kontrast gegen das "alles-wie-es-früher-war"
in der Vergangenheit lebende Dresden. Von dort aus näherte
sich die Demo der fertiggestellten Frauenkirche, um dort die Abschlusskundgebung
unter dem Motto "happy welcome á notre dame"
abzuhalten. So hiess es im Redebeitrag "Die langjährigen
Interventionen in das Gedenken an deutsche TäterInnen, die
unter dem Deckmantel "Zivilbevölkerung" von jeglicher
Schuld an der Shoa, homophoben und rassistischen Übergriffen
und Morden freigesprochen werden, hatten sehr oft an dieser Stelle
ihren Höhepunkt. Sektkorken knallten, Flugblätter fielen,
in der Nähe stiegen Feuerwerkskörper bunt in den mit
unerträglicher Trauer gefüllten Nachthimmel. "
und "Die Frauenkirche steht symbolisch für eine deutsche
Forderung. Gefordert wird Versöhnung. Versöhnen wollen
sich die Deutschen allerdings zuallererst mit sich selbst, mit
der „eigenen“ Geschichte. So haben sie sich nach der
nationalen Revolution herangemacht, hier architektonisch den Zustand
vor dem 13. Februar 1945 wiederherzustellen. Die Spendenbereitschaft
war groß, das Projekt erlangte schnell Bedeutung als Symbol
des neuen Selbstbewusstsein des wiedervereingten Deutschlands.
Dass diese Frauenkirche als "Symbol gegen Rechts" verstanden
werden soll, wie es neuerdings zu vernehmen ist, äussert
sich nirgends. Hier steht ein Gebäude, dass bis ins letzte
Detail seinem eingestürzten Vorgänger nachempfunden
ist. Kein Stahlbeton, keine Glasflächen, kein Bruch und kein
Widerspruch. – Es wird einiges nicht mehr gewesen sein."
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Front-Transparent der Antifa-Demo am 12.2. auf der Wilsdruffer
Strasse

Demo zieht am Schloss vorbei (Theaterplatz)
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Aktionen am 13.
Um 11 Uhr begann an der Synagoge die Kundgebung "Gegen jeden
Geschichtsrevisionismus". Etwa 700 Leute trafen sich hier,
um dann in die Innenstadt zu gehen, wo im Laufe des Tages über
1000 Antifas am Start waren. Bis zum späten Abend waren an
der Kundgebung AntifaschistInnen, es gab Redebeiträge, Musik,
Heissgetränke und Infos. Besonders wichtig wurde die Kundgebung
später, zum Ende der Nazidemo, als Rückzugsort vor den
marodierenden Nazihorden in der Innenstadt und als Schutz der
Synagoge selbst, die als Hassobjekt der Nazis immer Angriffen
in Zusammenhang mit Nazidemonstrationen ausgesetzt ist. Ein Kolloquium
gegen "revanchistische und rechtsextreme Erscheinungen insbesondere
anlässlich des 13. Februar" fand hier statt und dankte
für den Schutz durch die Antifa-Kundgebung, denn Polizei
liess sich hier nicht mehr blicken als es gefährlich wurde
und auch nicht, als sie von Kolloquiums-TeilnehmerInnen gerufen
wurde, weil sich Nazigruppen näherten.
Ab 12 Uhr intensivierte sich die Nazianreise und es kam zu ersten
Zusammenstössen von Antifas mit Nazis. Reisebusse voller
Nazis fuhren durch die Stadt - und parkten teilweise unterhalb
der Synagoge am Elbufer. In den Auseinandersetzungen zwischen
Nazis und Antifas zeigte sich bereits wieder die übliche
Strategie der Polizei: So wurde nach einer solchen 50 Antifas
am Altmarkt eingekesselt und zur Hälfte in Vorbeuge-Gewahrsam
genommen, der laut Sächsischer Zeitung vom 17. Februar nicht
einmal Ermittlungen nach sich zieht. Dennoch blieben die Weggesperrten
bis 1 Uhr Nachts im Gewahrsam.
Auf der Route der Nazis sammelten sich Antifas, eine Barrikade
wurde angezündet und hier und da auch ein Papiercontainer.
Die Nazis waren an ihrem Treffpunkt Am Zwingerteich, unmittelbar
neben dem Landtag, über 5.000 geworden. Sie zogen über
die Marienbrücke los. Auf der Neustädter Seite versuchten
sich Antifas zu Blockaden zu formieren, scheiterten jedoch an
blöckeweise vorrückenden Robocops, die alle von der
Route heruntertrieben. Ausser den Antifas liess sich hier niemand
auf der Strasse blicken, was der Polizei ihren ekligen Job einfach
machte. Bis zum Goldenen Reiter gelang dies der Polizei, auf der
Augustusbrücke jedoch formierte sich eine Blockade von 50
AntifaschistInnen, die dank der Medienpräsenz nicht einfach
weggeprügelt werden konnte. So wurde die Blockade mit "einfacher
körperlicher Gewalt" bis zur Altstädter Seite getrieben.
Dort auf dem Schlossplatz versammelten sich einige hundert GegendemonstrantInnen,
die zum Teil auf der gut einsehbaren Brühlschen Terrasse
standen und Transparente zeigten. Die Polizei zögerte die
komplette Abriegelung der Naziroute an dieser Stelle lange hinaus,
doch eine Blockade kam hier nicht zustande. Abgeschirmt hinter
Polizeiautos quetschte sich die Nazidemo hier schließlich
entlang und zog zum Landtag, dem Platz der Naziabschlusskundgebung.
Kaum dort angekommen, begannen die Nazis in Gruppen, die immer
grösser wurden, die Nazidemo zu verlassen. Gänzlich
ohne Polizeischutz begaben sich diese auf den Nachhauseweg. Ob
sie dabei eine SPD-Kundgebung gegen Nazis trafen oder linke Gruppierungen
- sie konnten sie ungestört angreifen, Kunststück, wenn
sie zu hunderten durch die Kante ziehen. Einzelne Linke die einer
solchen Nazihorde nicht entfliehen konnten, wurden zusammengeschlagen.
An der Prager Strasse jedoch wurde der Spiess teilweise umgedreht
und so mussten auch hunderter Gruppen von Nazis rennen oder bekamen
antifaschistische Gegenwehr am eigenen Leib zu spüren.
Inzwischen hatte sich - viel zu spät - auch die bürgerliche
Anti-Nazi-Friedens-Demo in Bewegung gesetzt und trabte mit mehreren
Tausend Leuten durch die Innenstadt, teilweise über Strassen,
deren Pflaster noch aufgerissen war, nach den Auseinandersetzungen
mit Nazis.
Eine Transpiaktion bei der Nagelkreuzübergabe in der Frauenkirche
wurde nach wenigen Sekunden von der Polizei verhindert und alle
Leute in der Nähe des Transpis in Gewahrsam genommen. Bei
einer Flugblattaktion gegen die "Ehrung der Trümmerfrauen"
15h im Frauenbildungszentrum wurden dagegen "nur" Personalien
aufgenommen. In der ganzen Innenstadt wurden desweiteren Parolen
wie "Oma, Opa und Hans-Peter - keine Opfer sondern Täter"
gerufen, mit Bürgern diskutiert, Reifen von Naziautos abgestochen
und vereinzelt Nazibusse entglast.
Gegen 18 Uhr strömten zehntausende Bürger zum Altmarkt
um sich dort an der Riesenkerze aus vielen Kerzen zu ergötzen,
welche aber durch den aufkommenden Schneesturm nicht zustande
kam. In dem Gedränge gelang es, einen abreisenden Nazibus
einzukesseln. Umringt von einer Kette gepanzerter Bullen und begleitet
von hunderten parolenrufenden Antifas fuhr der Bus im Schritttempo
mit Stockungen und die Nazis darinnen werden vor Angst fast gestorben
sein.
Die Kundgebung an der Synagoge wurde in diesem Zeitraum drei Mal
von Nazigruppen angegriffen, die jedoch entschlossen in die Flucht
geschlagen wurden. Gegen 19 Uhr spielten schliesslich Egotronic
auf der Kundgebung und just in diesem Moment kam ein Nazibus vorbei
und wurde entglast. Das weitere Konzert wurde danach noch ausgelassener
abgefeiert.
Um 21.45 Uhr zur Schweigeminute mit Glockengeläut an der
Frauenkirche schliesslich, waren drei hübsche Feuerwerke
zu bewundern, die von den Bürgerinnen geradezu stoisch ignoriert
wurden. Es wurde Sekt und Bier konsumiert, Parolen gerufen oder
dezent Papiertaschentücher mit subversiven Flyern verteilt.
Auch hier kam es innerhalb kürzester Zeit zu Ingewahrsamsnahmen
durch die Polizei.
Sowohl was das Stören des Gedenkens als auch den Naziaufmarsch
angeht - das war sicher alles kein grosser Erfolg, aber es ging
doch so Einiges, was in Dresden in dem Ausmaß lange nicht
gegangen ist...
Auf ein Neues!!! |

Kundgebung vor der Synagoge am 13.2.

Blockade der Nazi-Route auf der Augustusbrücke

Brühlsche Terrasse - bestückt mit Transpis wie "60
years of liberation" (ganz links ein Stück zu sehen)
oder "Alles Gute kommt von oben" (rechts)

Was im Landtag ein Eklat ist, bleibt wie in den vergangenen sechs
Jahren auf der Nazidemo kein (z.B. juristisches) Problem
krasses
Nazitranspi - nahezu ungehindert knüpfen die Nazis am Nationalsozialismus
an...
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