| Pressemitteilung
vom 8. März 2004
13. Februar in Dresden - Was ist wichtig?
Die Landeshauptstadt Dresden und die Frauenkirche laden gemeinsam
zu einer öffentlichen Podiumsdiskussion
"13. Februar - Die Zukunft des Gedenkens"
am Freitag, dem 19. März, 19.30 Uhr
in die Unterkirche der Frauenkirche ein.
Teilnehmer auf dem Podium sind: Oberbürgermeister Ingolf
Roßberg, Prof. Karl-Siegbert Rehberg, Hildegard Stellmacher,
Matthias Neutzner, Pfarrer Stephan Fritz und ein Schüler.
Die Moderation übernimmt Wilm Heinrich.
Für viele Dresdner ist der 13.Februar ein wichtiges Datum.
Zugleich wurde der 13. Februar zuletzt von dem Bestreben extremer
politischer Gruppierungen überschattet, die diesen Tag für
ihre Zwecke
zu instrumentalisieren suchen. Deshalb und angesichts des 60.
Jahrstages der Bombardierung Dresdens im kommenden Jahr brauchen
wir eine Verständigung über die Zukunft des 13. Februar
in unserer Stadt.
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Sächsische Zeitung
Montag, 22. März 2004
Dresden wird zur Bühne für Extremisten
Statt Gedenken: Straßenschlachten am 13. Februar
Von Siiri Klose
Wie sollte in den nächsten Jahren der Bombardierung Dresdens
gedacht werden? So lautete die zentrale Frage bei der Podiumsdiskussion
am Freitagabend in der Unterkirche der Frauenkirche. Die Teilnehmer
Oberbürgermeister Ingolf Roßberg (FDP), der Soziologe
Karl-Siegbert Rehberg, Hildegard Stellmacher von der Gesellschaft
für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Frauenkirchen-Pfarrer
Stephan Fritz, die Schülerin Evelyn Dierich und Matthias
Neutzner von der Interessengemeinschaft "13. Februar 1945"
waren sich schnell einig, dass der Gedenktag für das zerstörte
Dresden zunehmend für bestimmte Interessen missbraucht wird.
"Dresden ist an diesem Tag auch eine Bühne für
politische Extremisten", sagte Neutzner, und Roßberg
bestätigte: "Der 13. Februar ist zum Anlass für
Straßenschlachten geworden", sagte er. Die Angst trauernder
Bürger vor den Demonstrationen und dem damit verbundenen
Polizeiaufgebot wäre eine neue Dimension des Gedenktages.
Aus früheren Feinden wurden Freunde
Auch vor einer anderen Entwicklung wurde gewarnt: "Dresden
muss aufpassen, das der Tag nicht zu bloßen Ritualen ohne
Inhalte gerät", sagte Rehberg. Die Formen des Gedenkens
hätten sich in den fast sechzig Jahren nach der Zerstörung
geändert, sagt Pfarrer Stephan Fritz: "Aus Feinden sind
Freunde geworden. Dresdens Gedenktag steht in Europa für
Erinnerung und Hoffnung." Bei der anschließenden Diskussion
mit dem Publikum ging es hoch her. Einige Bürger forderten
eine Gedenktafel am Altmarkt. Andere wollten wissen, warum Demonstrationen
wie jüngst die der Jungen Landsmannschaft Ostpreußen
genehmigt würden. "Verbote gab es bis 1989", sagte
Roßberg dazu, und für eine Gedenkplatte sei der Altmarkt
ungünstig: "Ich könnte es nicht ertragen, wenn
darauf Marktbuden stehen."
Eine Bürgerin schlug vor, am 13. Februar nicht Dresden in
den Vordergrund zu stellen, sondern darüber nachzudenken,
wie Völkern mit aktuellen Kriegsproblemen geholfen werden
könnte. "Wir sollten an diesem Tag Versöhnung mit
unseren Partnerstädten Coventry, Petersburg und Warschau
feiern", sagte Helga Lang aus dem Publikum.
Schuld in der NS-Zeit bewusst sein
Immer wieder warnte Roßberg davor, die Opferzahl der Bombennacht
mit denen anderer Städte zu vergleichen. "Da werden
Dinge miteinander aufgerechnet, die nicht aufzurechnen sind."
Zumal die Zahl in Dresden nicht feststehen würde. "Wir
gehen von 25 000 aus." Neutzner dagegen forderte eine größere
historische Genauigkeit und Einordnung. "Dresden muss sich
seiner Schuld in der NS-Zeit bewusst werden", erst dann könne
es seine besondere Verpflichtung als Mahn- und Gedenkstadt für
Frieden gerecht werden.
Pfarrer Fritz zog das Fazit der Veranstaltung: "Im 13. Februar
Dresdens bündelt sich die Diskussion des gesamten Landes,
wie mit der Vergangenheit umzugehen ist."
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