| 31.01.2003
Sehr geehrte Damen und Herren,
am 31. Januar 2003 jährt sich die Kesselschlacht
von Stalingrad zum 60. Male. Der Sieg der roten Armee und die
daraus resultierende historische Tragweite dieses Ereignisses
ist für uns - als das ad-hoc-Bündnis 31. Januar 1943
- würdiger Grund zur Begehung.
Zum Zweck der Begehung dieses Jubiläums wurde der Historische
Speisesaal des Leipziger Hauptbahnhofs angemietet. Jedoch wurden
die Räumlichkeiten kurzfristig von der Vermietergesellschaft
des Hauptbahnhofs, der ECE, gekündigt.
Dieses mit der Begründung, es handele sich bei unserer Festveranstaltung,
um eine politische, ja sogar linksextremistische Veranstaltung.
Veranstaltungen dieser Art seien nicht erwünscht. (Zwei Wochen
zuvor noch war Gregor Gysi in den gleichen Räumlichkeiten
in einer Podiumsveranstaltung zu sehen).
Die Ungeheuerlichkeit an der Begründung der Vermietergesellschaft
ist dabei nicht nur, dass die Intention und unsere Freude über
den Sieg von Stalingrad als extremistischer Dogmatismus verunglimpft
wurden. Viel eher besteht die Brisanz der Angelegenheit darin,
dass - wie sich herausstellte - der deutsche Verfassungsschutz
dem Vermieter angeraten hat, die Veranstaltung durch Raum-Aufkündigung
zu verhindern.
Das öffentliche, feierliche Gedenken an den Sieg der roten
Armee in Stalingrad ist von staatlicher Seite somit offensichtlich
nicht erwünscht. Das deutsche Geschichtsverständnis
soll nach wie vor eines bleiben, das Stalingrad nicht als Anlass
zum Feiern nehmen kann, weil es die kollektive Schuld der Deutschen
an Nationalsozialismus, Zweitem Weltkrieg und Auschwitz nicht
wahrhaben will.
Trotz Aufkündigung der Räumlichkeiten
im Leipziger Hauptbahnhof wird die angekündigte Veranstaltung
stattfinden, jedoch in anderen Räumlichkeiten.
Zum Zeitpunkt dieser Mitteilung steht ein Ausweichort noch nicht
fest
Neben Lesung und anschließendem Kulturprogramm
wird es Buffet und Sekt-Empfang geben.
Geladen sind unter Anderen die Vertreter des russischen, amerikanischen,
britischen und französischen Konsulats, die jüdische
Gemeinde Leipzig und Vertreter der israelischen Botschaft.
Mit freundlichen Grüßen,
Bündnis 31. Januar 1943
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