Störungen des Gedenkens am 13. Februar 2002
| Soko
MAG (Militante Autonome Gewalttäter) feiert ersten
"Erfolg" und ermittelt wg. Verstoß gegen
Sprengstoffgesetz + Kommentar "Wer zur Hölle ist
die MAG?" |
Presse-Info des
LKA vom 14. 02. 2002 |
| Die Dresdner Lokalzeitung
DNN schreibt über pyrotechnische Aktivitäten am
13. Februar |
DNN-Artikel vom 15. 02. 2002 |
| Gezerre um Gedenken
zum 13. (mit herzlichem Beileid) |
SächsZ-Artikel vom 15.
02. 2002 |
Presse-Info des LKA vom
14. Februar 2002
Polizei
verhindert Stoerungen bei Dresdner Gedenkveranstaltung
Manipulierte Feuerwerksraketen
sichergestellt
Im Rahmen der polizeilichen
Einsatzmanahmen der Polizeidirektion Dresden zu den Gedenkveranstaltungen
anlässlich des 57. Jahrestages der Bombardierung von Dresden
am 13. Februar 2002, konnte in den spaeten Abendstunden eine massive
Stoerung der Kundgebung vor der Frauenkirche verhindert werden.
Zwei Frauen im Alter von 21 und 25 Jahren planten, die Veranstaltung
mittels manipulierter Feuerwerksraketen, die in der Naehe der
Frauenkirche gezuendet werden sollten, zu stoeren. Beamte der
Sonderkommission "Militante Autonome Gewalttäter" (Soko MAG)
beim Landeskriminalamt Sachsen konnten die beiden Frauen gegen
21.30 Uhr bei der Installation der Pyrotechnik vorlaeufig festnehmen.
Eine Gefährdung der Besucher der Veranstaltung bestand nicht.
Die beiden Frauen, die der Dresdner linken Szene angehoeren, machen
keine Angaben zum Sachverhalt. Sie traten teilweise bereits wegen
Diebstahl, Sachbeschädigung, Rauschgiftdelikten und Landfriedenbrüchen
polizeilich in Erscheinung. Nach ihrer Vernehmung wurden sie wieder
auf freien Fuss gesetzt. Experten des LKA Sachsen untersuchen
derzeit die sichergestellten Raketen und eine elektrische Zündvorrichtung.
Die Ermittlungen wegen des Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz
durch die Soko MAG dauern an.
Pressesprecher: Lothar Hofner
Neuländer Strae 60, 01129 Dresden, Telefon: 0351 / 855 -
2020, Telefax: 0351 / 855 - 2095 QUELLE: http://www.lka.sachsen.de/Infos/PresInfo/2002/frauenkirche.html
Der Ermittlungsausschuss
der Roten Hilfe Dresden wird darüber weiterhin informieren.
Wer
zur Hölle ist die MAG?
Wurde im September 2001 (nach der Neo-Nazi-Demo in Leipzig am
1. September) gegründet, weil laut Pressemitteilung die Anti-Globalisierungsbewegung
auch in Sachsen mobilisierend wirkt. Oder so ähnlich.
Die Soko MAG ist spärlich mit Legitimationen ausgestattet
(Gegenaktivitäten gegen den Nazi-Aufmarsch am 1. September
in Leipzig, Brand in einer Pelzfarm und zwei brennende Polizeiautos
nach dem G8 in Italien). Jetzt muss sie sich ein bisschen strecken,
um sich zu profilieren. Aber damit???
mehr zur MAG bei
Repression
up Dresdner
Neueste Nachrichten (DNN) vom 15. Februar 2002
Feuerwerksraketen sichergestellt
Im Zusammenhang mit dem Aufmarsch
am Mittwoch in der Dresdner Innenstadt (DNN berichteten) hat das
Landeskriminalamt zwei Frauen aus der linken Szene vorläufig
festgenommen. Sie sollen versucht haben, Feuerwerksraketen und
eine elektronische Zündung im Aufmarschgebiet zu installieren.
Die Frauen befinden sich wieder auf freiem Fuß, gegen sie
wird wegen Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz ermittelt.
Der Aufmarsch war vom Terassenufer und ander St.-Petersburger
Straße mit Raketen beschossen worden.
up
Sächsische
Zeitung (Politik Prisma), 15.02.02
Demonstrationen
Gedenk-Gezerre
Dresden am 13. Februar: ein bizarres
Schauspiel
Heinrich Löbbers
Kommentar: Das hier ist
zugegebenermassen eine recht grauenhafte Veröffentlichung.
Trotzdem ist die Vorstellung von einem Gezerre um das Gedenken
relativ angenehm.
Man muss sich das Ganze bildlich
vorstellen, wie eine Inszenierung: Auf dem Altmarkt mitten in
Dresden stehen einige Hundert Menschen rund um ein Transparent:
„Die Waffen nieder“. Von einer provisorischen Bühne aus werden
tiefsinnige Reden gehalten. Das 21. Jahrhundert müsse das Jahrhundert
des Pazifismus werden und ähnliche Appelle. Die Menschen schweigen
und gedenken der Zerstörung ihrer Stadt vor 57 Jahren. Zur gleichen
Zeit kreist um das selbe Stadtzentrum ein gespenstischer Marsch
aus glatzköpfigen oder streng gescheitelten Jugendlichen und nicht
wenigen älteren Herrschaften. Es dürften wohl 1 000 sein. „Landser“
steht auf manchen Bombenjacken, auf Transparenten Sprüche wie
„Das war kein Krieg, das war Mord“. Langsam, im Gleichschritt,
eskortiert von Hundertschaften behelmter Polizisten, erreichen
sie das Trümmerfrauen-Denkmal vor dem Rathaus.
Friedensgebet und feurige
Reden
Auf dem Altmarkt, zwei Gehminuten
entfernt, singen die anderen gerade „Dona nobis pacem“ (Gib uns
Frieden) und ziehen nachdenklich zum Gottesdienst in die Kreuzkirche.
Am Denkmal halten unterdessen zackige Männer feurige Reden, beklagen
die deutschen Opfer, schweigen von deutscher Schuld. Zum Abschluss
wird auch hier gesungen: „Deutschland, Deutschland, über alles
. . .“ Um „revolutionäre Disziplin“ hatte die „Junge Landsmannschaft
Ostpreußen“ beim Trauermarsch gebeten, der auch „Protest gegen
die herrschenden Verhältnisse in der westlichen Welt“ sein sollte.
Man sammelt sich hinter der Semperoper, während sich fein herausgeputztes
Publikum kopfschüttelnd zum Konzert durchschlängelt. Über Lautsprecher
kommen nationales Liedgut und eindeutige Order: Keine Fackeln,
keine Abzeichen, keine Springerstiefel, kein Alkohol. „Gespräche
einstellen, in Sechserreihen aufstellen und Abstand zum Vordermann
halten!“ Diszipliniert marschieren, das können sie. Statt Bierdosen
brennende Grabkerzen in der Hand. Und bloß nicht provozieren lassen.
Von der Brühlschen Terrasse herunter und vom Straßenrand kommt
der Hass der Antifa: „Stalingrad, Stalingrad, jede Sekunde ein
deutscher Soldat.“ Ein bisschen Katz und Maus-Spiel mit der Polizei,
Trillerpfeifen, wüste Worte – der rechte Tross nimmt‘s zähneknirschend
hin. Auch die jüdische Klezmer-Musik, die aus einem Lautsprecher
in einem Fenster des Rathauses tönt, wo ein einsames Plakat, „Deutschlands
Schuld an zwei Weltkriegen“ anprangert. Nach dem Trauermarsch
werden gute Deutsche noch zu „einer interessanten Veranstaltung“
geladen – im Gebäude der Sparkasse. Wenig später kommen die Menschen
auch aus der Kreuzkirche heraus, ziehen mit Kerzen zur Frauenkirchen-Baustelle.
Um dreiviertel zehn läuten dann wie gehabt alle Glocken der Stadt.
Tausende sammeln sich da, mit brennenden Kerzen, schweigen betroffen,
auf einer Leinwand zeigt ein alter Film das zertrümmerte Dresden.
Touristen staunen, das Hilton-Hotel schenkt Glühwein aus.
Arthur Harris und Osama
bin Laden
Ein bizarrer Abend in dieser
geschundenen Stadt, in der das Gezerre um das richtige Gedenken
mit jedem 13. Februar abstruser wird. Der Marsch der Rechtsextremen
ist längst ebenso zur regelmäßigen Institution geworden wie die
Veranstaltungen bürgerlicher und kirchlicher Kreise. Und mittendrin
ein Häuflein pubertär provozierender Autonomer, die meinen, sich
für die Bombardierung der Stadt bedanken zu müssen. Die Sprüche
erfinden wie „Der 13. Februar gehört zu Dresden wie der Dampf
zur Kacke“. Und die auf ihrer Internetseite die Bombardierung
der Frauenkirche simulieren, darunter der Spruch: „Bitte tut es
noch einmal!“ Solche Entgleisungen finden sich auch am Zaun vor
der Frauenkirche wieder, wo man mit Zetteln seine Meinung aufhängen
kann. „Das Kriegsziel, die Zerstörung deutscher Kultur, wurde
in Dresden nicht erreicht“, steht auf einem. Darunter ein zweiter:
„Leider!“ Viele Leser sind empört: „Das müsste man abreißen.“
Auch ein Amerikaner hat sich dort geäußert: Angesichts des Versuchs
der New Yorker mit der Zerstörung des World Trade Centers fertig
zu werden, habe der Wiederaufbau der Frauenkirche mehr Bedeutung
denn je. Die Leute staunen. Es ist an diesem Abend nicht der einzige
Vergleich zwischen New York und Dresden. Den ziehen auch die Rechtsextremen.
Wenn die Amerikaner den 11. September zum Nationalfeiertag machen,
müsse in Deutschland der 13. Februar zum offiziellen Gedenktag
werden, fordert ein Redner. Ein anderer sagt, der größte Terrorist
der Welt sei der englische Bomberkommandeur Arthur Harris, nicht
Osama bin Laden. Sie haben ein neues Feindbild, die Rechtsnationalisten:
das Amerika des George W. Bush. Sie wettern gegen „Dollar-Imperialismus“
und den Afghanistan-Krieg. Solidarität mit den USA, das sei Solidarität
mit den „Mördern von Dresden“. Auch so lässt sich am Gedenken
zerren.
Glatzen vor der Trümmerfrau:
Rechtsextreme marschierten wieder mal in Dresden. Foto: Ronald
Bonß
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